
Von Bremen auf die ganz großen Bühnen: JoschY stehen im local heroes-Bundesfinale. (Foto: Line Tsoj)
JoschY aus Bremen bringt beim local heroes-Bundesfinale deutschsprachigen Indie-Pop und -Rock auf die Bühne. Die fünf Freunde setzen auf handgemachte Musik, große Live-Energie und Songs über das, was junge Menschen beschäftigt. Am 28. November wird verkündet, ob die Band zu den Preisträger:innen des Bundesfinales 2026 gehört.
Beim local heroes-Bundesfinale vom 3. bis 6. September 2026 auf Schloss Hundisburg zeigt JoschY, wie weit die junge Bremer Band in kurzer Zeit gekommen ist: Die erste EP ist draußen, die eigenen Songs werden bei Konzerten schon mitgesungen und der Traum vom Festivalsommer rückt näher. Gleichzeitig verteilt sich die Band auf Bremen, Scheeßel, Osnabrück und Leipzig. Dass daraus keine musikalische Distanz entsteht, wollen die fünf mit Intensivproben, Zoom-Calls und vor allem ziemlich viel gemeinsamer Energie verhindern.

Frontmann Joschua Lüdemann trägt die Songs von JoschY mit viel Präsenz und spürbarer Nähe zum Publikum. (Foto: Anna Pospiech)
Erst im Sommer 2024 treffen sich Simon Hussong, Fabio Windt, Lovis Eilts und Constantin Hussong zum ersten Mal musikalisch, Simon hat deutsche Songskizzen geschrieben und bringt sie mit in den Proberaum. Nach einigen Proben zu viert kommt Joschua Lüdemann dazu und wird Frontsänger. Die fünf fackeln nicht lange und erfüllen sich mit JoschY den Traum von der eigenen Band. Schon ein paar Monate später stehen sie mit eigenen Songs auf der Bühne. „Wir haben dort schon gemerkt, dass wir unbedingt weitermachen und die Songs auch aufnehmen müssen“, erzählt Simon. Unterstützung bekommen sie dabei vom Bremer Produzenten Max Meyer alias Lachs Leier.
Der gemeinsame Weg hat zwar gerade erst begonnen, der erste große Meilenstein lässt allerdings nicht lange auf sich warten. JoschY veröffentlichen im Dezember 2025 ihre erste EP „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Dazu gehört auch eine Release-Show. Für Schlagzeuger Constantin ist dieser Abend bis heute das Highlight der noch jungen Bandgeschichte. „Das war einfach eine unglaublich tolle Nacht und ein superschönes Gefühl, die erarbeiteten Songs mit unseren Fans zusammen zu feiern.“

Wissen genau, wie man eine Bühne einnimmt: JoschY haben auf Schloss Hundisburg Jury und Publikum mit ihrer Live-Performance begeistert. (Foto: Anna Pospiech)
Mist, wir brauchen noch ein Cover
Beim Artwork wird es dagegen regelmäßig knapp. „Eine ungewöhnliche und ein bisschen lustige Herausforderung ist für uns, dass wir uns immer zu spät um ein Cover kümmern“, erzählt Lovis. Mix und Master sind fertig, der Upload des Songs beim Vertrieb rückt näher – und irgendwann fällt auf: „Mist, wir brauchen ja noch ’nen Art Cover.“ Bislang finden sie trotzdem immer noch eine Lösung.
Bei einer anderen Herausforderung reicht spontane Kreativität allerdings nicht ganz. Denn inzwischen lebt die Band nicht mehr komplett an einem Ort. Constantin zieht nach Osnabrück, Joschua bleibt in Scheeßel, Simon in Bremen, Fabio und Lovis gehen nach Leipzig. Die fünf wollen dennoch zusammenbleiben. Intensive Probephasen, Zoom-Calls und gut vorbereitetes Arbeiten sollen dabei helfen. Vielleicht funktioniert das auch deshalb, weil JoschY für die Beteiligten längst mehr sind als ein gemeinsames Musikprojekt. Constantin sagt später: „Wir sind füreinander nicht einfach nur eine Band, wir sind auch einfach sehr gute Freunde und auch außerhalb der Musik immer füreinander da.“

Beim Fotoshooting zeigen JoschY, wie selbstverständlich sie inzwischen als Band zusammengewachsen sind und wie viel Leichtigkeit dabei trotzdem geblieben ist. (Foto: Line Tsoj)
Bremen bleibt die Basis
Trotz der neuen Wohnorte bleibt Bremen ihr gemeinsamer Bezugspunkt. Dort sind die meisten von ihnen groß geworden, dort liegen ihre musikalischen Wurzeln. „Bremen wird für immer unsere Basis bleiben“, betont Simon. Die Band hebt besonders die Menschen hervor, die dort junge Musik möglich machen, zum Beispiel in Kulturzentren wie der Friese. „An Orten wie diesen entsteht zum Beispiel durch Bandcamps sehr viel bereichernde Kunst“, erklärt Constantin. Junge Artists können dort eigene Musik entwickeln und kreativ arbeiten. Solche Orte prägen die Bremer Szene stark, weil immer wieder junge Bands nachkommen. „Etwas vergleichbares ist sehr schwer zu finden.“

Live zeigen JoschY, warum ihre Songs schon nach kurzer Zeit mitgesungen werden: viel Spielfreude, ein eingespieltes Miteinander und eine Energie, die direkt ins Publikum geht. (Foto: Anna Pospiech)
Was live passiert, wird auch gespielt
Musikalisch ordnen sich JoschY selbst ziemlich klar ein. Deutscher Indie-Pop und Indie-Rock. Entscheidend ist für sie aber, wie diese Musik entsteht. „Ein Alleinstellungsmerkmal liegt bei uns darin, dass es sehr handgemachte und aus dem Proberaum entstehende Musik ist. Das, was man live bei uns hört, ist auch zu 100 Prozent das, was wir auf der Bühne spielen.“ Auch bei den Texten bleibt die Band nah an ihrer eigenen Lebenswelt. „In unseren Texten behandeln wir Themen, die die Jugend beschäftigen“, sagt Simon. Es geht um Liebe und Herzschmerz, aber auch um Gemeinschaft und das Gefühl, anders zu sein.
Ihr Ziel formuliert er ziemlich klar: „Nach unseren Konzerten wünschen wir uns, dass die Menschen glücklicher nach Hause gehen, als sie hingekommen sind.“ Ihre Musik soll zum Mitsingen und Tanzen einladen und gleichzeitig Geschichten erzählen, die berühren. Hauptsache raus aus dem Alltag.

Gemeinsam verbeugen sich JoschY nach dem Auftritt vor dem Publikum, sichtbar erleichtert, glücklich und als Band ganz bei sich. (Foto: Anna Pospiech)
Eine Woche im Proberaum
Das ist auch das Credo des Musikcamps. Doch vor Hundisburg schließen sich JoschY erst einmal eine Woche lang im Proberaum ein. Täglich wird intensiv geprobt, das Set immer wieder durchgespielt. „Wir wollten diese 30 Minuten Konzert mit so viel Energie und Qualität füllen, wie uns nur möglich.“ Auch bei der Live-Session gibt es eine wichtige Entscheidung. Welcher Song soll aufgenommen werden? Relativ schnell steht „Shakespeare“ fest. Der Song ist noch neu, live für JoschY aber schon jetzt kaum wegzudenken.
Beim Bundesfinale wirkt diese Vorbereitung. Die Jury erlebt JoschY als sehr geschlossene Live-Band. Die Songs funktionieren auf der Bühne, jedes Mitglied habe seine Rolle und wisse, was es tue. Auch die Ansagen seien klar und nähmen das Publikum mit. Am Ende fällt eine ziemlich eindeutige Einschätzung: „Das ist eine super Live-Band!“
Die Expert:innen beschreiben die Songs als zugänglich und deutlich in Richtung Mainstream gedacht. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob JoschY ihrem Sound künftig noch etwas mehr Kante geben wollen. An der grundsätzlichen Bühnenqualität gibt es dabei wenig Zweifel.

Beim Social Media Interview erzählen JoschY von Freundschaft, gemeinsamen Plänen und davon, wie sie als Band zusammenbleiben wollen, auch wenn sich ihr Alltag inzwischen auf mehrere Städte verteilt. (Foto: Cora Schrage)
Vier Tage voller neuer Ideen
Auf Schloss Hundisburg nehmen die fünf aber nicht nur Juryfeedback mit. Sie teilen sich auf verschiedene Workshops auf. Ein Teil der Band besucht den Bühnenpräsenz-Workshop, andere beschäftigen sich mit der Frage, wie Musiker Geld verdienen können. Anschließend tragen sie ihre Erkenntnisse zusammen. Auch Fotoshooting und Interviews bringen sie dazu, bewusster darüber zu sprechen, wie sie sich als Band darstellen möchten und welche Bilder zu ihrer Musik passen. Auch zum Thema Verträge haben die Musiker nun neues Wissen im Gepäck: Sie hätten gelernt, branchenübliche Verträge besser einzuordnen und wüssten nun eher, worauf sie achten müssen.
Simon nimmt aus dem Booking-Workshop weitere konkrete Tipps mit. Und auch aus Juryfeedback und Gesprächen mit anderen Acts entsteht ein ziemlich praktischer Plan: JoschY wollen künftig häufiger außerhalb Bremens spielen und verstärkt an ihrer Social Media-Präsenz feilen.
Dafür helfen die Kontakte aus Hundisburg. Mit anderen Bands sprechen JoschY bereits über Austauschkonzerte und teilen Instagram-Accounts und Telefonnummern. Lovis spricht sogar schon von einer „local heroes Familie“ und davon, dass dieses Netzwerk später wichtig werden könne.

Beim Social Media Interview zeigen JoschY, dass hinter ihrem Indie Pop vor allem fünf Köpfe stecken, die ziemlich genau wissen, warum sie gemeinsam Musik machen. (Foto: Cora Schrage)
Was junge Bands heute alles mittragen müssen
So viel Motivation ändert nichts daran, dass eine junge Band zunächst einmal Geld kostet. Proberäume, Fahrten, Studioaufnahmen, Artwork und Promotion müssen finanziert werden. Bei kleinen Bands fließe ein großer Teil der Einnahmen direkt wieder ins nächste Projekt, berichtet Fabio. Dazu kommt etwas, das mit Musik nur teilweise zu tun hat. Junge Bands müssen auf mehreren Plattformen präsent sein, regelmäßig Inhalte produzieren und verstehen, wie Social Media funktioniert. Und während all das nebenbei läuft, verändert sich die Branche weiter. Besonders kritisch sehen JoschY die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz bei der Musikproduktion. Plattformen wie SunoAI beschäftigen sie, vor allem dort, wo KI menschliche Künstler:innen ersetzen könnte oder urheberrechtliche Fragen offenbleiben.
Auch für die Zukunft wünschen sie sich deshalb mehr Unterstützung für unabhängige Artists, kleine Festivals und Kulturprojekte. „Livemusik zu erleben, Konzerte zu besuchen und Künstler:innen direkt zu unterstützen, wird unserer Meinung nach deshalb noch wichtiger.“

Im Feedbackgespräch bekommen JoschY gespiegelt, wie geschlossen sie als Band bereits wirken und wo sie ihren gemeinsamen Sound noch stärker zuspitzen können. (Foto: Cora Schrage)
JoschY schauen bei diesen Branchenthemen aber nicht nur nach außen. Lovis spricht offen darüber, dass sie eine Band aus weißen cis-Männern sind. Sie beschäftigen sich deshalb mit der Frage, wie sie politische Popmusik machen können, ohne gesellschaftliche Missstände und Ungleichheiten ungewollt zu reproduzieren. Innerhalb der Band wollen sie sich darüber austauschen, die eigene Position reflektieren und Feedback von außen einholen. Für sie als Band steht jedenfalls fest: „In Zukunft hoffen wir vor allem auf mehr Unterstützung und Sichtbarkeit für FLINTA*-Personen in der Musikszene. Das gilt beim Booking auf Festivals, in Musikhochschulen oder in anderen Teilen der Branche.“ Kleine Bands und unabhängige Künstler:innen benötigen ihrer Ansicht nach eine zuverlässige Förderung für Kultur. „Außerdem wünschen wir uns mehr Hilfe für kleine Festivals und Kulturprojekte, von denen viele zurzeit ums Überleben kämpfen oder in diesem Jahr zum letzten Mal stattgefunden haben.“
Der Traum heißt Hurricane
Für die nächste Zeit konzentrieren sich JoschY erst einmal auf neue Singles und weitere Konzerte. Etwas weiter entfernt liegt ein großer Wunsch. Ein voller Festivalsommer – und irgendwann das Hurricane Festival. Für Joschua hätte das eine besondere Bedeutung, weil er in der Nähe aufgewachsen ist.
Bei allen Herausforderungen zwischen Bremen, Scheeßel, Osnabrück, Leipzig und der nächsten Singlecover-Deadline, sind sich die Jungs von JoschY in einer Sache besonders einig: „Wir glauben, dass es für ein langfristiges Musikprojekt besonders wichtig ist, genau die Musik zu machen, die einem selbst gefällt. Nur so schafft man es authentisch und ohne Zwang langfristig seine Musik auf der Bühne spielen zu können. Außerdem ist für eine langfristige Musikkarriere, denken wir, unglaublich wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun und die man gern hat.“
Am 28. November 2026 treffen sich alle Bundesfinal-Acts zur Preisverleihung im Moritzhof Magdeburg wieder. Zuvor kann das Publikum nach Veröffentlichung der auf Schloss Hundisburg entstandenen Videos ab dem 19. November eine Woche lang über seinen Favoriten abstimmen. Insgesamt werden sieben Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro vergeben.
Text: Nicole Oppelt
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Diese Acts standen im Bundesfinale 2026
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:
Blumen für mich für Baden-Württemberg
Plume für Bayern
Hermitcrab für Berlin
Floe für Brandenburg
JoschY für Bremen
Carls8erg für Mecklenburg-Vorpommern
Eythee für Niedersachsen
Aylin Celik für Nordrhein-Westfalen
Vianne für Rheinland-Pfalz
Sander Dornblut für Sachsen
Raptiloiden für Sachsen-Anhalt
Quiet Girl für Schleswig-Holstein
kickpunchpow für Thüringen
Die Jury und Coaches 2026:
Martin Hommel (Musikjournalist und Coach)
Marie Antoinette Lührs (Sängerin und Vocalcoach)
Chris Heide (Booker und Musikmanager)
Michael Vajna (Komponist, Musikproduzent und Keyboarder)
David Pfeffer (Sänger & Songwriter, Musikproduzent)
















