Überzeugt mit Ausstrahlung und Ambition im local heroes-Bundesfinale: kickpunchpow geht für Thüringen an den Start. (Foto: Line Tsoj)

kickpunchpow aus Jena bringt beim local heroes-Bundesfinale Pop-Trap zwischen Melancholie, Selbstzweifeln und maximaler Energie auf die Bühne. Am 28. November wird verkündet, ob er zu den diesjährigen Preisträger:innen des wichtigsten Non-Profit-Newcomerpreises Deutschlands zählt.

Vom 3.-6. September 2026 wird Schloss Hundisburg zum Treffpunkt von 13 Newcomer-Acts aus der ganzen Bundesrepublik. Zwischen Proben und Coachings läuft ständig irgendwo eine Kamera, während sich die Gespräche oft bis weit nach den Auftritten ziehen. Einer der Acts fällt dabei durch seine unbändige Power auf: kickpunchpow aus Jena. Mit Pop-Trap und Einflüssen, die von Punk bis K-Pop reichen, bringt Steffen Kronberg als Vertreter für sein Heimatbundesland Thüringen ordentlich Bewegung ins local heroes-Bundesfinale 2026.

Ein Referendariat, ein vermeintlich sicherer Berufsweg und daneben mehr und mehr Musik. Ende 2024 merkt Steffen Kronberg alias kickpunchpow, dass beides nicht mehr nebeneinander funktioniert. Also trifft er eine Entscheidung. Gegen die Sicherheit, für kickpunchpow. Das ist keine kleine Kurskorrektur, sondern ein ziemlich deutlicher Schnitt. Ein gutes Jahr später führt ihn genau diese Entscheidung nach Schloss Hundisburg.

13 Acts aus ganz Deutschland kommen dort Anfang September zusammen. Es wird gespielt, diskutiert, gecoacht, ziemlich viel Musik gehört und natürlich ins Gespräch gekommen. Für Steffen ist genau das wichtig. Denn gemeinsam mit Alessandro Drescher alias Alessiboy als Backup-Rapper reist er nicht nach Hundisburg, um möglichst perfekt zu wirken. Er will herausfinden, was noch besser werden kann.

Eine Show, die Eindruck hinterlässt: kickpunchpow performt live auf Schloss Hundisburg. (Foto: Anna Pospiech)

‍Erst Hobby, dann Entscheidung

Doch beginnen wir von vorn. 2022 beginnt Steffen, eigene Raptexte zu schreiben. Ein Jahr später erscheint mit „Augenblick“ sein erster Song. Dann kommt das Jahr 2024. Steffen steckt mitten im Referendariat. Gleichzeitig wächst das Gefühl, dass Musik längst mehr geworden ist als ein Hobby, das man nach Feierabend noch irgendwie unterbringt. „Beides gleichzeitig hat irgendwann nicht mehr funktioniert“, sagt er. Also entscheidet er sich gegen den „sicheren“ Berufsweg. Und für die Musik. Der Song „Blackout“ entsteht genau aus diesem Umbruch. Das Projekt kickpunchpow rutscht damit aus dem Feierabend heraus und mitten ins Zentrum von Steffens Alltag.

Zwischen Selbstzweifel und König der Welt

Einfach in eine Schublade stecken lässt sich kickpunchpow allerdings nicht. Wenn Steffen seinem Sound unbedingt einen Namen geben müsste, wäre es wohl Pop-Trap. Aber dabei bleibt es selten. K-Pop, Deutsch- und Anime-Rap, Nu Metal, Pop-Punk und Metalcore tauchen als Einflüsse auf. Das klingt erst einmal nach ziemlich vielen Richtungen, doch für Steffen gehört genau das zum Projekt. „Es gibt so viele Genres, die ich gerne ausprobiere und mixe. Da fällt es mir sehr schwer, mich auf einen Stil festzufahren.“ Gleichzeitig sieht er darin sein Alleinstellungsmerkmal. Die eigentliche Aufgabe beginnt deshalb erst beim Mischen: Egal, welches Genre gerade durchscheint, am Ende soll niemand überlegen müssen, von wem der Song kommt.

Inhaltlich hält ein anderer Gegensatz das Ganze zusammen. „Kickpunchpow gibt es in zwei Facetten“, sagt Steffen. Da ist die nachdenkliche Seite, in der Zweifel viel Raum bekommen. Die andere Seite ist laut, stürmisch und voller Energie, mit dem Gefühl, jede Herausforderung bewältigen zu können. Die Grenze dazwischen bleibt beweglich. „Keine der Seiten könnte ohne die andere existieren.“

Eine Botschaft zieht sich für ihn trotzdem durch beide Welten: „Glaub an dich selbst und lass dich nicht von deinen Träumen und Zielen abbringen!“

Live bringt kickpunchpow seinen Pop-Trap-Sound mit viel Druck und Bewegung auf die Bühne und zeigt, wie viel Energie in seinem Auftritt steckt. (Foto: Anna Pospiech)

‍Ein unabhängiger Artist macht ziemlich viele Jobs

Die Entscheidung für Musik bedeutet für Steffen allerdings nicht, fortan nur Songs zu schreiben. „Als unabhängiger Künstler bist du nicht nur Musiker beziehungsweise Rapper.“ Dann beginnt die Liste: Songwriter, Produzent, Social-Media-Manager, Booker, Content Creator, Organisator, Manager, irgendwann auch noch „dein eigener Motivationscoach“.

Umso wichtiger sind die Menschen um ihn herum, die nicht nur applaudieren, sondern mitdenken und ihn auffangen. Ideen hat er genug. Die größere Frage lautet eher: Wie bringt man sie alle zusammen, auch musikalisch?

Beim Social Media Interview erzählt kickpunchpow, der im Bundesfinale unter anderem von Alessiboy begleitet wurde, von seinem Weg, von mutigen Entscheidungen und davon, warum er für die Musik bewusst auf Sicherheit verzichtet. (Foto: Cora Schrage)

‍Thüringen muss nicht Berlin sein

Thüringen ist für Steffen nicht bloß das Bundesland, das er in Hundisburg vertritt. Dort beginnt seine „KPP-Story“. Der gebürtige Thüringer zieht für das Studium nach Jena und startet dort seine musikalische Karriere. Jena sei kein Musikstandort wie Berlin, sagt er. Aber vielleicht muss es das auch gar nicht sein. „Dass ich jetzt aber als Vertreter Thüringens dabei sein darf, zeigt für mich, dass gute Musik nicht nur aus großen Städten kommen muss.“ Seine Rolle beim Bundesfinale empfindet er deshalb nicht nur als persönliche Auszeichnung. „Ich will zeigen, dass aus Thüringen genauso geile Musik kommen kann.“

Die Thüringer Musikszene erlebt Steffen vor allem persönlich. Man kenne sich und arbeite immer wieder miteinander. Vieles verbreitet sich ganz direkt über Empfehlungen. „Aus Freundschaften und zufälligen Begegnungen sind so teilweise langfristige musikalische Projekte entstanden, natürlich auch andersrum.“ Gerade weil die Szene kleiner ist, laufen sich dieselben Leute immer wieder über den Weg. Trotzdem fehle etwas: Bühnen. Jena habe viele kreative Menschen, aber nicht immer genug Orte, an denen sie sichtbar werden können. Steffen wünscht sich deshalb mehr Auftrittsmöglichkeiten und mehr Open-Air-Kultur. Denn gute Musik zu produzieren sei heute technisch so einfach wie vermutlich nie zuvor. Gehört zu werden, dagegen nicht. Er weiß: „Ein guter Song alleine reicht deshalb häufig nicht mehr.“

Für Steffen hört die Arbeit daher nicht beim fertigen Song auf. Auch live und auf Social Media muss erkennbar werden, wofür kickpunchpow steht. In kleineren Städten komme zusätzlich die Suche nach passenden Bühnen und professionellen Kontakten hinzu.

Beim Fotoshooting zeigen kickpunchpow und sein Bundesfinal-Support Alessiboy ihre spielerische Seite und bringen genau die Mischung aus Selbstbewusstsein und Unangepasstheit vor die Kamera, die auch kickpunchpows Musik prägt. (Foto: Line Tsoj)

‍Erfurt öffnet die Tür

Der Weg ins Bundesfinale beginnt für kickpunchpow am 19. Juni 2026 in der Barfüßerruine in Erfurt. Dort findet das Krämerbrückenfest statt und damit auch das Thüringer Landesfinale, veranstaltet von der Musikinitiative diePOP. Steffen steht gemeinsam mit anderen Newcomer-Acts auf der Bühne. Eine Fachjury entscheidet anschließend, wer Thüringen beim Bundesfinale vertreten darf. Für ihn ist das eine völlig neue Situation: Nicht nur vor dem eigenen Publikum spielen. Nicht nur im bekannten Umfeld unterwegs sein. Plötzlich stehen da andere Acts, mit denen man sich automatisch vergleicht. Als die Jury schließlich ihn auswählt, wird aus dem Landesfinale plötzlich die Eintrittskarte nach Hundisburg. „Das war ein ganz besonderer Moment“, erinnert er sich.

Kaffee, Workshops und ein Gedanke, der hängen bleibt

Auf das Bundesfinale bereitet sich Steffen nicht nur mit Proben vor. Der junge Musiker arbeitet am Live-Set und fragt sich gleichzeitig, welches Bild kickpunchpow nach außen eigentlich vermitteln soll. Die Zeit auf Schloss Hundisburg beschreibt Steffen später als „facettenreich“. Workshops gehören dazu, andere Acts anschauen, der eigene Auftritt, das Feedbackgespräch. Manchmal reicht offenbar auch ein Kaffee im Speisesaal. „Ich konnte an jeder dieser Stationen etwas mitnehmen“, schwärmt er.

Was davon langfristig hängen bleibt, kann Steffen direkt nach dem Camp selbst noch gar nicht vollständig sortieren. Eine Erkenntnis formuliert er aber schon unmittelbar nach Hundisburg: „Ich darf Dinge auch reduziert angehen und für sich sprechen lassen.“

Für jemanden, der musikalisch gerne Genres mischt, visuell denkt und sein Projekt an vielen Stellen gleichzeitig vorantreibt, ist das keine ganz nebensächliche Erkenntnis. Steffen fährt mit „sehr viel neuer kreativer Energie“ nach Hause und mit einer klareren Vorstellung davon, was kickpunchpow künftig braucht.

Gemeinsam mit den Tänzerinnen machen kickpunchpow und Alessiboy aus ihrem Auftritt eine echte Show. Musik, Bewegung und Bühnenenergie greifen dabei sichtbar ineinander. (Foto: Anna Pospiech)

‍„Wahnsinnige Präsenz“

Bei den abendlichen Live-Sessions fällt kickpunchpow auch der Jury auf. „Wahnsinnige Präsenz. Krasser Typ“, sagt Komponist und Musikproduzent Michael Vajna. Auch optisch sieht er viele Möglichkeiten. Musikalisch sucht Vajna dagegen noch nach einem klareren roten Faden. Zu viele unterschiedliche Einflüsse treffen bislang aufeinander, ohne dass für ihn schon eindeutig wird, welche Richtung kickpunchpow langfristig prägen soll.

In kickpunchpow steckt so viel Unterschiedliches, dass die Jury vor allem wissen möchte, welche dieser vielen Einflüsse künftig den Kern des Projekts bilden sollen. Chris Heide beschreibt seine Reaktion auf den Auftritt fast wie eine musikalische Rundreise. Mal hört er Emo- und Punk-Rap mit viel Gitarre heraus, dann kippt der Sound wieder in eine technoidere Richtung. Schließlich landet auch Heide bei der entscheidenden Frage: „Was ist eigentlich genau sein Baby?“ Die Jury zweifelt nicht an seinem Können. Sie will vielmehr wissen, welche Seite von kickpunchpow künftig im Vordergrund stehen soll.

Vocalcoach Marie Antoinette Lührs sieht hinter der lauten Performance zudem noch eine andere Seite. Sie beschreibt Steffen als einen „zart-empathischen, weichen Typen, der etwas erzählen will“. Auf der Bühne erlebe sie viel Lautstärke, wenig Luft und wenig Pause. Sie möchte deshalb „ein bisschen mehr Realness sehen“. Nicht weniger Show. Aber mehr von dem Menschen dahinter. „Er gibt da alles rein“, ist sie überzeugt. Trotzdem glaubt sie, dass hinter dieser Energie noch etwas anderes liegt, das stärker sichtbar werden könnte.

Im Social Media Interview zeigt kickpunchpow, hier mit Alessiboy, wie viel Neugier und Eigenwilligkeit hinter seinem Pop-Trap-Sound steckt und wie konsequent er seinen eigenen Weg verfolgt. (Foto: Cora Schrage)

‍„Jeder findet sein Publikum“

Bei aller konstruktiven Auseinandersetzung fällt im Jurygespräch aber auch ein Satz, der erstaunlich gut zu Steffens eigener Geschichte passt. „Jeder findet sein Publikum“, sagt Marie Antoinette Lührs. Bei kickpunchpow ist sie überzeugt, dass dieses Publikum existiert. Entscheidend wird für ihn eher, wie klar er seine vielen Einflüsse zu einer eigenen Welt bündelt.

Genau über solche Welten denkt der Künstler selbst ebenfalls nach. Songs und Alben bleiben für ihn dann interessant, wenn man sich in sie hineinversetzen kann. Wenn sie mehr schaffen als nur drei Minuten Beschallung. Dafür brauche es passende Visuals und „echte, lebendige Musik“.

Ausgerechnet hier passen Juryfeedback und Steffens eigene Erkenntnis aus dem Camp zusammen. Steffen möchte mit seiner Musik ganze Welten schaffen. Der Jury fällt dabei vor allem auf, wie viele unterschiedliche Ideen gleichzeitig um Raum kämpfen. Steffen selbst nimmt aus dem Camp mit, dass nicht jede Idee gleichzeitig schreien muss. Manchmal darf etwas einfach stehen bleiben, ohne noch einen Effekt oder die nächste Schicht darüberzulegen. Das heißt nicht, dass kickpunchpow plötzlich leise werden muss. Die Energie gehört zum Projekt. Aber vielleicht bekommt dadurch gerade der Mensch hinter der lauten Performance mehr Raum, samt seiner nachdenklichen Seite.

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Möglichst viel Output

Nach Hundisburg ist Steffens Mission klar: „So viel Output wie nur möglich.“ Er will neue Musik veröffentlichen und damit möglichst oft auf die Bühne. Gleichzeitig möchte er im Hintergrund Strukturen aufbauen, die all das langfristig möglich machen.

An Gesprächspartner:innen mangelt es nach Hundisburg jedenfalls nicht. Steffen hat Musiker:innen aus ähnlichen Genres kennengelernt, aber auch Acts, mit deren Musik er sonst kaum Berührungspunkte hat. Gesprochen wurde über Produktionen und technische Fragen, aber auch über mögliche Auftritte. Steffen berichtet außerdem von Gesprächen über Erfahrungen und Herausforderungen innerhalb der Musikbranche. Diese Kontakte möchte er halten. Denn langfristig ist ihm genau das wichtiger als ein kurzer Aufmerksamkeitsschub.

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Eine lebendige Szene statt künstlicher Musik

Bei einem Thema wird Steffen zum Schluss sehr konkret: künstliche Intelligenz. Er wünscht sich, „dass KI reglementiert wird“ und Politik wie Wirtschaft verstehen, welchen Wert eine lebendige Kulturszene hat. Für ihn gehört dazu auch, diese tatsächlich zu fördern. Ein Wunsch, der gut zu jemandem passt, der gerade einen sicheren Berufsweg hinter sich gelassen hat, um Musik nicht mehr nur „nebenbei“ zu machen…

Am 28. November 2026 treffen sich alle Bundesfinal-Acts zur Preisverleihung im Moritzhof Magdeburg wieder. Zuvor kann das Publikum nach Veröffentlichung der auf Schloss Hundisburg entstandenen Videos ab dem 19. November eine Woche lang über seinen Favoriten abstimmen. Insgesamt werden sieben Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro vergeben.

Text: Nicole Oppelt

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Diese Acts standen im Bundesfinale 2026
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:

Blumen für mich für Baden-Württemberg
Plume für Bayern
Hermitcrab für Berlin
Floe für Brandenburg
JoschY für Bremen
Carls8erg für Mecklenburg-Vorpommern
Eythee für Niedersachsen
Aylin Celik für Nordrhein-Westfalen
Vianne für Rheinland-Pfalz
Sander Dornblut für Sachsen
Raptiloiden für Sachsen-Anhalt
Quiet Girl für Schleswig-Holstein
kickpunchpow für Thüringen

Die Jury und Coaches 2026:
Martin Hommel
(Musikjournalist und Coach)
Marie Antoinette Lührs (Sängerin und Vocalcoach)
Chris Heide (Booker und Musikmanager)
Michael Vajna (Komponist, Musikproduzent und Keyboarder)
David Pfeffer (Sänger & Songwriter, Musikproduzent)

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