Sieben Artists, eine Vision: Die Band Floe vertritt Brandenburg im local heroes-Bundesfinale. (Foto: Line Tsoj)

Floe aus Ahrensfelde verbinden beim local heroes-Bundesfinale deutschen Singer-Songwriter-Pop mit persönlichen Texten und einer ungewöhnlich vielfältigen Bandbesetzung. Am 28. November wird verkündet, ob die Band zu den Preisträger:innen des Bundesfinales 2026 zählt.

Vom 3. bis 6. September 2026 gehört Schloss Hundisburg für einige Tage der jungen Musikszene. 13 Acts aus ganz Deutschland proben in den historischen Räumen, stehen vor Kameras, sprechen mit Coaches und hören einander zu. Die Konzerte am Abend sind dabei nur ein Teil dessen, was hier passiert. Viele Gespräche beginnen lange vor dem ersten Ton und gehen weiter, wenn das Bühnenlicht längst aus ist. Mit dabei sind auch Floe, die das local heroes-Bundesfinale stellvertretend für Brandenburg mit viel musikalischer Power bereichern.

Sieben Menschen, zwei Gitarren, Bass, Klavier, Schlagzeug und zwei Stimmen: Floe kommen nicht gerade in Minimalbesetzung nach Schloss Hundisburg. Und doch erzählt diese Zahl noch längst nicht alles über die Band. Denn hinter Floe steckt eine Geschichte, die ziemlich familiär begann und irgendwann immer größer wurde.

Für Brandenburg stehen Solea Abderrahmane und Nele Floe Frank am Mikrofon, Adrian Wagner und Julian Leu an den Gitarren, Fabian Leu am Bass, Tamas Narai am Klavier und Michael Frank – in Hundisburg vertreten durch Henning Pahlke – am Schlagzeug auf der Besetzungsliste.

Ganz in ihrem Element: Nele Frank verleiht den persönlichen Songs von Floe beim local heroes-Bundesfinale Stimme und Gefühl. (Foto: Line Tsoj)

‍Alles beginnt mit einem Demo

Eigentlich beginnt diese Geschichte von Floe mit einer Teenagerin und ihrem Großvater. „Mit 15 hat Nele mir, ihrem Opa, eine Demo mit ihrem ersten Song gegeben“, erinnert sich Michael. Der hört offenbar nicht nur aufmerksam zu, sondern reicht die Aufnahme direkt an seinen Bandkollegen Fabian weiter. Und dann nimmt die Sache ihren Lauf. Denn aus dieser Zusammenarbeit entstehen die ersten Songs.

Irgendwann wollen sie natürlich raus aus den heimischen vier Wänden und auf eine Bühne. „Um die Songs live zu performen, haben wir unsere besten Freunde mit in die Band geholt“, erzählt Michael. So wurde aus einem Demo zwischen Enkelin und Großvater nach und nach Floe. Sieben Menschen bedeuten allerdings nicht nur mehr Klang, sondern auch sieben Terminkalender: „Zeit zu finden, um zu proben, Sachen zu besprechen und und und…“, benennt Gitarrist Julian die wohl größte Challenge der Band.

Floe sind eine starke Einheit, getragen von Vertrauen, gemeinsamer Energie und dem Gefühl, musikalisch am selben Strang zu ziehen. (Foto: Line Tsoj)

‍Songs, die etwas zurückgeben sollen

Musikalisch bewegen sich Floe zwischen Deutschpop und Singer-Songwriter. Für Nele liegt der Kern ihrer Musik allerdings weniger in einer Genrebezeichnung als in den Texten. Die handeln von „sehr tiefen und vielfältigen Themen“, sagt sie.

Dabei geht es Floe nicht darum, schwierige Erfahrungen einfach nur in Songs festzuhalten. Die Band möchte ihnen etwas entgegensetzen. „Positive Botschaften aus schwierigen Situationen herausziehen“, beschreibt Nele ihren Ansatz. Im besten Fall bleibt beim Publikum am Ende also das Gefühl zurück, „dass sie nicht allein sind und dass es anderen Menschen ähnlich geht“.

Beim Fotoshooting zeigen Floe, dass ein starkes Bandgefühl manchmal ganz ohne große Geste sichtbar wird. (Foto: Laura Hubenthal)

‍Raus aus dem Proberaum

Dass Floe überhaupt bei local heroes landen, hat zunächst einen ausgesprochen praktischen Grund. „Unser Drummer hat uns dort angemeldet, damit wir eine Chance haben, aus dem Probenraum herauszukommen“, erzählt Julian. Der Plan funktioniert. Fast. Denn Michael hat bei der Anmeldung ein kleines, aber nicht ganz unwichtiges Detail übersehen: die Altersvorgaben. Für das Bundesfinale braucht Floe deshalb kurzfristig „jüngere“ Unterstützung am Schlagzeug. Gesagt, getan: Henning Pahlke springt ein und übernimmt den Part beim Bundesfinale.

Ganz ohne Nervenkitzel läuft das nicht – schließlich steht vor Hundisburg nur eine einzige gemeinsame Probe mit Henning auf dem Programm. „Wir haben viel und intensiv geprobt. Durch den neuen Drummer ist das Ganze etwas schwer geworden, aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen“, erzählt Julian. Und offenbar müssen sie das auch nicht. „Henning ist ein super Typ und kann sehr gut spielen.“

Neben den musikalischen Proben nimmt sich die Band noch etwas anderes für das Bundesfinale vor: offen bleiben. Für die anderen Acts, ihre Musik und die gemeinsamen Tage. Nicht mit Scheuklappen durch Hundisburg laufen, sondern schauen, hören, kennenlernen.

Raus aus dem Proberaum, rein ins Grüne: Für Floe wurde der Schlossgarten von Hundisburg beim Profishooting kurzerhand zur Fotokulisse. (Foto: Line Tsoj)

‍Der erste große Schritt führt nach Potsdam

Doch bevor Floe nach Schloss Hundisburg reisen, führt ihr Weg vergangenen Winter zunächst ins Waschhaus Potsdam. Dort findet das Brandenburger Landesfinale statt. Michael erinnert sich: „Tolle Location, super organisiert und klasse Leute!“ Sängerin Solea ergänzt: „Der Gewinn des Landesfinales war für uns einer der besten Momente unserer Zeit als Band.“ Mit dem Sieg in Potsdam qualifizieren sich Floe als spannendster Newcomer-Act Brandenburgs schließlich für das local heroes-Bundesfinale. Für Solea steckt darin vor allem die Chance, „unsere Musik zu verbreiten und bekannt zu werden“.

Zwischen Jugendclubs und Dorffesten

Denn Aufmerksamkeit für die eigene Musik zu bekommen, ist auch in Brandenburg nicht einfach, wie die Band berichtet. Zwar bieten Jugendclubs und Musikschulen Räume, in denen Bands auftreten und miteinander arbeiten können. Julian sieht trotzdem ein Problem. „Es ist schwer, Gigs zu bekommen, aber das war schon immer so.“

Dorffeste gebe es zwar viele. Doch wer dort spielt, erreicht nicht automatisch das Publikum, das vielleicht beim nächsten Konzert wiederkommt, Songs streamt oder einer Band langfristig folgt. Und schon landet man in einem kleinen Teufelskreis: Um auf Festivals gebucht zu werden, muss eine Band oft bereits bekannt sein. „Doch wie soll das gehen, wenn dich keiner kennt?“ Julian würde sich wünschen, dass in Brandenburg gezielter nach jungen Bands geschaut wird und dass diese anschließend den Weg zu Festivals oder Formaten wie local heroes finden.

Echte, handgemachte Musik und persönliche Texte: Das ist das Erfolgsrezept von Floe. (Foto: Line Tsoj)

‍Hundisburg mit nur einer gemeinsamen Probe

Dann also Hundisburg. Ein großes Bundesfinale, 13 Acts! Besonders hebt die Band die Professionalität des Teams hervor, die aus ihrer Sicht die 35 Jahre local heroes-Erfahrung spürbar macht. Von zentraler Bedeutung sind für die sieben Musiker:innen aber auch die Coachings. Dort geht es um konkrete Tipps und Anregungen für die weitere Band-Arbeit. Auch die Aussicht, nach dem Bundesfinale Teil des local heroes-Netzwerks zu bleiben, nimmt Floe aus Hundisburg mit. Durch ebendieses Netzwerk konnten Floe bereits mehrere Konzerte in Brandenburg spielen. Weitere solcher Chancen könnten folgen.

Floe sind ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig trägt und gemeinsam genau dort angekommen ist, wo aus Nähe Musik wird. (Foto: Line Tsoj)

‍Die Jury hört Songs, die bleiben

Als Floe auf der Bühne stehen, braucht die Jury nicht lange, um den musikalischen Stand der Band einzuordnen. „Von den Songs ist alles da, vom Arrangement ist alles da, die Band hat Power“, lobt Komponist und Musikproduzent Michael Vajna. „Es gibt zwei, drei Songs, die einem sofort ins Ohr gehen und die auch dort bleiben.“

Auch Nele fällt auf. Vajna bescheinigt der Frontfrau eine „tolle Bühnenpräsenz“. Und die Band? „Das ist alles auf einem sehr hohen Niveau. Technisch super.“ Tamas am Klavier hebt Vajna als „hervorragenden Musiker“ hervor. Auch Fabian fällt ihm auf, weil er sowohl klassischen als auch Keyboardbass spielt. Für Vajna steckt dahinter sichtbar Ehrgeiz: „Man hat schon gemerkt, dass sehr viel Ambition hinten dran ist.“

Floe-Sängerin Nele im Gespräch mit der Jury. Die lobt ihre Bühnenpräsenz und hat spannende Anregungen für die weitere Entwicklung der siebenköpfigen Band im Gepäck. (Foto: Cora Schrage)

Die Jury sucht bei Floe nicht lange nach grundlegenden Baustellen. Stattdessen taucht eine andere Frage auf. Was kann aus all dem jetzt werden? Juror Chris Heide schaut daher weniger auf einzelne Songs als auf das große Ganze auf der Bühne. Sieben Menschen stehen dort. Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Instrumente, unterschiedliche Aufgaben. Heide findet gerade diese Konstellation spannend. Die Frage sei, „wie kann das noch mehr herausgestellt werden?“ Wer ist bei Floe eigentlich wer? Welche Rolle übernimmt jedes Bandmitglied? Wie viel von diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten sieht das Publikum bereits und wie viel davon könnte noch sichtbarer werden? „Ich glaube, da steckt ganz viel Potenzial“, sagt Heide.

Marie Antoinette Lührs denkt in eine ähnliche Richtung. Sie nennt Floe eine „bunte Sache“ und will wissen, wie die Band sich selbst eigentlich versteht. Muss jede Person auf der Bühne eine eigene, deutlich erkennbare Rolle bekommen? Braucht es eine zentrale Figur? Oder liegt der Reiz gerade darin, dass Floe als Kollektiv funktionieren? Spannend ist dabei vor allem eines: Die Jury versucht gar nicht, Floe eine fertige Antwort mitzugeben. Sie stellt Fragen.

Auch Vajna fragt sich, wohin die musikalische Reise führt. Moderner deutschsprachiger Pop? Etwas kommerzieller? Andere Arrangements? Für ihn ist genau das der Punkt, an dem Floe gerade stehen: vor dem nächsten Schritt.

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Große Bühne gesucht

Und was sagt die Band selbst dazu? Julian hält es gewohnt unkompliziert. Was kommt als Nächstes? „Berühmt werden ...“ Das ist zumindest mal ein Ziel. Etwas konkreter wird es danach aber doch. Regelmäßiger proben wollen Floe. Und irgendwann natürlich auf größeren Bühnen stehen.

Adrian wiederum braucht nur wenige Worte, um zu erklären, was eine Band dafür seiner Meinung nach mitbringen sollte: „Gute Laune, viel Motivation und vor allem Zeit.“ Von der Musikbranche wünschen sich Floe vor allem „hand- und menschengemachte Musik und mehr Förderung für kleine Projekte“. Vielleicht passt dieser Wunsch gerade deshalb so gut zu ihnen, weil Floe eben nicht am Reißbrett eines Majorlabels geplant wurden.

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Am 28. November 2026 treffen sich alle Bundesfinal-Acts zur Preisverleihung im Moritzhof Magdeburg wieder. Zuvor kann das Publikum nach Veröffentlichung der auf Schloss Hundisburg entstandenen Videos ab dem 19. November eine Woche lang über seinen Favoriten abstimmen. Insgesamt werden sieben Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro vergeben.

Text: Nicole Oppelt

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Diese Acts standen im Bundesfinale 2026
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:

Blumen für mich für Baden-Württemberg
Plume für Bayern
Hermitcrab für Berlin
Floe für Brandenburg
JoschY für Bremen
Carls8erg für Mecklenburg-Vorpommern
Eythee für Niedersachsen
Aylin Celik für Nordrhein-Westfalen
Vianne für Rheinland-Pfalz
Sander Dornblut für Sachsen
Raptiloiden für Sachsen-Anhalt
Quiet Girl für Schleswig-Holstein
kickpunchpow für Thüringen

Die Jury und Coaches 2026:
Martin Hommel
(Musikjournalist und Coach)
Marie Antoinette Lührs (Sängerin und Vocalcoach)
Chris Heide (Booker und Musikmanager)
Michael Vajna (Komponist, Musikproduzent und Keyboarder)
David Pfeffer (Sänger & Songwriter, Musikproduzent)

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