Sander Dornblut beim Profi-Shooting, konzentriert, nah beieinander und mit sichtbarer Freude vor der Kamera. (Foto: Line Tsoj)

Sander Dornblut aus Leipzig verbinden beim local heroes-Bundesfinale Indiepop in der Tradition der Hamburger Schule mit rauen Sounds, ehrlichen Texten und einer Freundschaft, die schon lange vor der Band begann. Am 28. November wird verkündet, ob sie zu den Preisträger:innen des local heroes-Musikpreises 2026 zählen.

Manche Bands entstehen aus einer Anzeige, andere nach einer zufälligen Jam-Session. Bei Sander Dornblut beginnt alles viel früher: mit zwei Jugendlichen, einem Bass, einem Schlagzeug und dem ziemlich unmittelbaren Gefühl, im anderen Menschen jemanden gefunden zu haben, der ähnlich tickt. Zwölf Jahre später stehen Finja Sander und Valentina Tamara Dornblut gemeinsam mit zwölf weiteren Acts in local heroes-Bundesfinale auf Schloss Hundisburg und vertreten dort ihr Heimatbundesland Sachsen. Ihr Ziel: (wieder) glücklich Musik zu machen.

Fast genau zwölf Jahre ist es her, dass sich Finja und Valentina im Leipziger soziokulturellen Zentrum „Die Villa“ kennenlernen. Dort werden junge musikinteressierte Menschen zusammengebracht und gecoacht. Finja erinnert sich noch ziemlich genau an den Anfang. „Valentina war ungelogen einfach dabei, als mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Bass umgehängt wurde. Da saß sie am Schlagzeug und wir waren direkt ein Herz und eine Seele.“

Sander Dornblut live auf der Bühne – mit spürbarer Spielfreude, viel Energie und einem Lächeln zwischen den Tönen. (Foto: Anna Pospiech)

‍„Die isses einfach“

Auch Valentina erzählt, dass beide schnell ihren ähnlichen Musikgeschmack entdecken, sowie die beste Zutat einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung: Den gleichen Humor. Finja ergänzt: „Ich kann mich noch ganz genau an den ersten Moment erinnern, wo ich in irgendeiner komischen Situation Valentina angeschaut habe und allein an ihrem Blick gesehen habe, dass sie gerade genau dasselbe denkt wie ich.“ Dann muss sie selbst lachen. „Das hab‘ ich nur mit ihr und seitdem wusste ich: ,Die isses einfach.‘“

Die beiden spielen anschließend lange gemeinsam in einer Band. Irgendwann steigen sie nacheinander aus. Dann passiert erstmal: nichts. Zumindest musikalisch. Bis Valentina 2025 Finja in Berlin besucht.

Eine Demo auf dem alten Laptop

Während ihres Besuchs in Berlin nehmen die beiden spontan wieder gemeinsam Musik auf. Es gibt weder ein großes Studio noch einen ausgefeilten Produktionsplan. Ein alter Laptop und Audiotonic müssen reichen. „Und das war so schön, dass wir jetzt dieses Projekt gegründet haben, wo wir ab jetzt all die Dinge machen können, worauf wir Lust haben“, erzählt Valentina. Für Finja gehört genau dieser Tag bis heute zu den wichtigsten Momenten von Sander Dornblut. „Es hat sich einfach alles richtig angefühlt, und das nur, weil Valentina endlich wieder bei mir war.“ Der Bandname kommt später. Erst einmal geht es nur darum, wieder miteinander Musik zu machen.

Haben endlich wieder Spaß an Musik: Sander Dornblut live im local heroes-Bundesfinale. (Foto: Anna Pospiech)

‍„Wir holen uns das zurück“

Leicht war dieser Neuanfang trotzdem nicht. Auf die Frage nach ihrer größten Herausforderung beginnen beide zunächst zu lachen. Finja: „Dass ich so schlecht Bass spiele.“ Valentina kontert mit ihren „Gitarrenkünsten“. Nach dem Lachen wird es plötzlich ernst. Denn hinter den Witzen steckt etwas, das beide über Jahre begleitet hat: Selbstzweifel. „Uns wurde sehr oft gesagt, dass wir nicht gut genug seien“, erzählt Valentina. „Und wenn man das jahrelang von Menschen hört, die einem wichtig sind, glaubt man es irgendwann.“

Finja erinnert sich an die Zeit vor dem Bundesfinale: „Ungelogen, bei der einen Probe für local heroes habe ich fast geheult, nur weil ich die 4und von der Basslinie nicht gepackt habe.“

Valentina fängt sie auf. Am Ende sitzt die Stelle. Trotzdem bleibt bei Finja eine Frage hängen: „Wie kann es nur sein, dass mich die Sache, die ich am meisten liebe auf der Welt, gleichzeitig so unfassbar traurig machen kann?“ Valentina antwortet darauf fast mit einem kleinen Versprechen: „Aber wir holen uns das zurück! Ich denke, gemeinsam kann man von so etwas am besten heilen.“

Musik ohne Beweiszwang

Die beiden verorten sich musikalisch in der Tradition der Hamburger Schule. Auch wenn, wie Finja trocken feststellt, „gefühlt niemand was mit dem Begriff anfangen kann“. Valentina erklärt, was sie daran reizt: ehrliche, nonchalante und alltagsbezogene Texte. Roughere Aufnahmen. Minimalistisches Songwriting. Stücke, die ruhig sein können und trotzdem etwas Punkiges behalten. Als Referenzen nennt Finja unter anderem Bum Khun Cha Youth, Hallelujah Ding Dong Happy Happy!, Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und die frühen Tocotronic-Alben.

Mindestens genauso wichtig wie der Sound ist ihnen allerdings ihre Haltung dazu. „Dass wir uns nicht so krass ernst nehmen“, sagt Valentina. Finja geht noch weiter. „Ich hab‘ jetzt zehn Jahre lang das mit der Musik echt versucht. Ich hätte nicht nur, ich hab‘ alles dafür gegeben und dabei hab‘ ich mich einfach immer mehr und mehr verloren.“ Mit Sander Dornblut fühlt sich das erstmals wieder anders an. „Jetzt haben wir dieses Projekt und ich bin zum ersten Mal wieder richtig glücklich, wenn ich Musik mache.“

Beim Social Media Interview zeigen sich Sander Dornblut zu dritt locker, aufmerksam und ganz im Gespräch. (Foto: Cora Schrage)

‍Weitermachen, ohne bitter zu werden

Die Devise ist deshalb: „Weitermachen, einfach weitermachen.“ Die vergangenen Jahre seien für beide nicht leicht gewesen. „Aber wir werfen uns immer wieder rein und das liebe ich so an uns und unserer Freundschaft.“ Eigentlich hätten sie genug Gründe, sich zurückzuziehen, sagt Valentina. Tun sie aber nicht. „Wir gehen immer wieder mit offenen Armen auf die Welt zu.“ Finja ergänzt einen zweiten Gedanken: nicht verbittern. Sie habe erst in den vergangenen Jahren verstanden, wie schwer genau das sein könne. „Ich denke, jeder hat potenziell Gründe, im Laufe des Lebens bitter zu werden. Weil das Leben echt hart sein kann.“

Daraus haben sie sich etwas vorgenommen: „Wir haben uns vorgenommen, nicht hart zu werden, nur weil das Leben zu uns hart war.“ Finja muss über ihre eigene Dramatik lachen und legt trotzdem nach: „Man muss zum Beispiel jetzt nicht gemein werden, nur weil Menschen zu einem gemein waren. Ich sag dann immer: ,Dann haben sie doch am Ende gewonnen und das dürfen wir nicht zulassen!‘“ Valentina antwortet schlicht: „Das Leben ist wirklich zu schön, um so zu werden.“

Im Gespräch zeigen Finja und Valentina, was Sander Dornblut zusammenhält: eine lange Freundschaft, viel gegenseitiges Vertrauen und der feste Entschluss, sich die Musik immer wieder zurückzuholen. (Foto: Cora Schrage)

‍Sachsen, alte Kontakte und ein neues Kapitel

Dass Sander Dornblut beim Bundesfinale Sachsen vertreten, bedeutet beiden viel. Sie sind in Grimma und Leipzig geboren, hier aufgewachsen und seit Jahren Teil der lokalen Musikszene. Die sächsische Landesjury kennt die beiden deshalb schon sehr lange. Mit ihrer früheren Band hatten sie bereits den Publikumspreis im landesweiten Contest gewonnen. Dann zieht Finja zurück nach Leipzig. Alte Verbindungen werden wieder aufgenommen.

Als die Jury Sander Dornblut bei einem Konzert im Horns Erben sieht, folgt die Nominierung für local heroes. Unter anderem Namen stehen sie vor derselben Szene. Nicht mit ihrer früheren Band, sondern mit dem Projekt, das ihnen die Freude an der Musik zurückgegeben hat.

„Das Internet“

Wer nach den größten Problemen für junge Bands fragt, bekommt von Valentina zunächst eine bemerkenswert kurze Antwort: „Das Internet.“ Finja reagiert sofort: „Alter, das ist ’ne gute Antwort.“ Gemeint ist vor allem der Druck dahinter. Mehr Social Media. Mehr Reichweite und natürlich noch mehr Zahlen. Valentina kritisiert, dass Künstler:innen inzwischen oft mehr Zeit damit verbringen sollen, online präsent zu sein, als mit dem, „um das es eigentlich geht: Musik“.

Finja stört vor allem „die weit verbreitete Illusion im Musikbusiness, dass mehr Klicks, mehr Streams und mehr Views ein unumstößliches Zeichen von Qualität ist.“ Valentina sieht darin eine Gefahr für junge Acts: „Ich glaube, viel zu viele junge Artists verlieren sich in der Hoffnung und dem Versuch, in irgendeinem Algorithmusloop zu landen, der sie endlich viral gehen lässt – anstatt einfach Musik zu machen, wie sie ungefiltert aus ihnen rauskommt.“ Genau diesem Zahlen-Druck wollen sie mit Sander Dornblut möglichst wenig Raum geben. „Deshalb ist es mir egal, ob Leute uns jetzt feiern oder nicht, mir ist es egal, ob der Song 10.000 Streams bekommt oder zehn. Weil ich hab‘ ja schon alles, was ich brauche: Musik mit Texten, die ich auch genauso meine, wie ich sie geschrieben habe, und meine liebsten Menschen um mich herum.“

Leidenschaft für Musik und Freundschaft sind wichtiger als Zahlen für Sander Dornblut. Für Sachsen stehen sie in diesem Jahr im local heroes-Bundesfinale. (Foto: Anna Pospiech)

‍Ein Song über genau diesen Frust

Kurz vor der Nominierung schreibt Finja einen neuen Text. Es geht um die beiden, aber auch um ihre Haltung zur Musikindustrie. Als die Einladung zum Bundesfinale kommt, müssen sie nicht lange überlegen. „Wir wussten direkt: Das wird der Song sein, den wir da spielen müssen.“ Geprobt wird anschließend in der KulturLounge Leipzig, die die beiden schon lange begleitet. Valentina schwärmt von den vielen Bands und „coolen, süßen Locations“ in Leipzig. Besonders viel Unterstützung erfahren sie seit Jahren aber genau dort: In der KulturLounge haben sie schon früh gespielt.

Schloss, Kameras und ein Deutsch-Abi

Kameras und Interviews, die sie beim local heroes-Bundesfinale erwarten, kennen die beiden übrigens schon länger. Mit ihrer früheren Band spielen sie unter anderem im ARD-Morgenmagazin. Finja erinnert sich dabei allerdings weniger an den Fernsehauftritt als an den Tag danach: „Ich hab‘ am Tag danach mein Deutsch-Abi total verkackt.“ Beide lachen. Später spielen sie ein einstündiges Live-Set bei Deutschlandfunk Nova. Radiointerviews kommen ebenfalls dazu. Und Coachings? Finja: „Na, sagen wir’s mal so: viele haben’s versucht.“ Valentina: „Ja … sie haben’s versucht!“

In Hundisburg werden die beiden Profis dann doch überrascht. Valentina blickt euphorisiert auf das Bundesfinale zurück: „Es war großartig! Ich wollte gar nicht wieder fahren.“ Finja beschreibt die Tage als einen großen Schritt. „Wir nehmen sehr viele Freunde mit und den riesigen Sprung nach vorne, den wir als Band in der letzten Woche machen konnten.“ Dabei geht es nicht nur um Musik. „Wir haben irgendwie nochmal richtig gemerkt, warum wir uns das alles überhaupt zu Gemüte führen und was es eigentlich bedeutet, Musik zu machen.“ Valentina nennt eine Erfahrung, die sie besonders berührt hat: „Ich denke, die heftigste Erfahrung war, dass wir uns einfach von den Leuten hier verstanden gefühlt haben. Das ist das schönste Geschenk, was man auf zwischenmenschlicher Ebene bekommen kann. Und wir sind so dankbar dafür.“ Nach all den Jahren voller Selbstzweifel klingt dieser Satz besonders groß.

Beim Profi-Shooting im Schlosspark setzt Fotografin Line Tsoj Sander Dornblut gemeinsam in Szene. (Foto: Laura Hubenthal)

‍Kleine Dinge, großer Unterschied

Auch fachlich nehmen die beiden einiges mit. Das Coaching von Marie Antoinette Lührs über Präsenz vor, auf und hinter der Bühne beschäftigt Finja besonders. „Mir ist erst einmal bewusst geworden, wie wenig ich mich damit auseinandergesetzt habe bisher, wie sehr Kleinigkeiten sich auf den Gesamteindruck von Musiker:innen auswirken.“ Das Fotoshooting mit Line Tsoj wird ebenfalls zur Überraschung. Beide fühlen sich vor Kameras nicht immer wohl. Doch diesmal schon. „Mit Line hat es so sehr Spaß gemacht!“, sagt Valentina.

Dann sind da natürlich noch die anderen Bands. „Dieses Jahr ist echt ein unfassbar beeindruckendes Line-up zusammengekommen, wir haben die Konzerte alle so sehr genossen! Danke, wirklich an alle, ihr seid so krass! The kids are alright, wir wussten es doch!“, so Finjas Resümee.

Die Jury „verliebt sich ein bisschen“

Auch die Jury reagiert auffällig herzlich auf die beiden. Im Jurygespräch fällt ziemlich früh ein bemerkenswerter Satz: „Ich habe mich ein bisschen verliebt.“ Die beiden werden als zwei Charaktere beschrieben, die sich gegenseitig „total brauchen – in a positive way“.

Auch ihre Haltung zur Musikindustrie kommt bei der Jury an. Vor allem die Texte werden als spannend und unterhaltsam wahrgenommen. Die Songs seien gut, der Aufbau des Sets nachvollziehbar. Trotzdem bleibt das Juryfeedback nicht beim Lob stehen.

Sander Dornblut zu dritt im Schlosspark, entspannt zwischen alten Bäumen und sichtbar angekommen im gemeinsamen Moment. (Foto: Line Tsoj)

‍Mehr Kante, mehr Selbstverständnis

Dass Potenzial da ist, stellt die Jury kaum infrage. Aber die Texte könnten noch „edgier“ und „crisper“ präsentiert werden. Die Moderationen ließen sich stellenweise straffen. Auch musikalisch sieht die Jury Möglichkeiten, weiter zu feilen. Vor allem fällt ein Begriff: Selbstverständnis. Die beiden dürfen noch stärker entwickeln, mit welcher Sicherheit sie als Sander Dornblut auftreten wollen. Mehr spielen. Mehr proben. Mehr Vertrauen in das, was längst da ist. Denn an Sympathie fehlt es nicht. „Die beiden sind unfassbar sympathisch, man möchte mehr sehen“, so der Konsens. Auch für Festivals sieht die Jury Potenzial, wenn das Profil noch etwas schärfer wird.

„Keine Arschlöcher sein!“

Was braucht eine Band also wirklich, um langfristig bestehen zu können? Finja und Valentina antworten gleichzeitig: „Keine Arschlöcher sein!“ Beide lachen. Danach wird Finja ernst. „Ich finde immer, man muss Leidenschaft für die Musik an sich haben und nicht besessen sein von dem Traum, berühmt zu werden.“ Musik müsse aus einem echten Bedürfnis entstehen. „Man sollte Musik machen, weil man nicht anders kann, weil man sie machen muss, weil man dieses Ventil braucht und sonst platzen würde, wenn man nicht ein wenig rauslassen könnte darüber.“ Dann folgt einer der schönsten Sätze des ganzen Gesprächs: „Du musst die Musik brauchen, denn die Musik braucht dich sicher nicht.“ Valentina ergänzt: „Du musst nicht studiert haben, du musst nicht mega krass ein Instrument spielen können. Hauptsache du hast was zu sagen!“ Und man müsse aufeinander achten. Reden. Zuhören.

Finja vergleicht eine Band schließlich mit einer Beziehung. „Man geht durch die krassesten Hochs, aber unserer Meinung nach muss man auch durch die heftigsten Tiefs miteinander gehen können.“

‍

Hermitcrab, Blumen für Mich und neue Freundschaften

Aus Hundisburg nehmen sie deshalb nicht nur Juryfeedback mit, sondern vor allem Menschen. „Wir haben so viele coole neue Leute kennengelernt innerhalb der letzten Tage, das erwärmt mein Herz richtig, wenn ich nur daran denke!“, sagt Finja. Besonders Hermitcrab aus Berlin seien ihnen „so unfassbar doll ans Herz gewachsen“, erzählt Valentina. Mit Blumen für Mich aus Baden-Württemberg wollen sie unbedingt gemeinsam Shows spielen. Und genau solche Verbindungen wollten sie aus Hundisburg mitnehmen. Denn aus ihrer Erfahrung seien Kontakte in anderen Städten „wirklich Gold wert“. Finja beschreibt auch, warum: „Ein Tourstopp in einer fremden Stadt ist tausendmal schöner, wenn man von Menschen, die man mag, empfangen wird.“

Auch musikalisch soll es weitergehen. Eine EP ist geplant. Außerdem gibt es offenbar noch einen anderen Plan. „Irgendwann wollen wir eigentlich auch noch rappen“, verrät Finja. Beide lachen. Valentina bremst erstmal: „Aber das kommt später.“

Eine kleine Release-Tour wäre ebenfalls schön. Finja weiß allerdings, wie schwierig das für eine kleine Band derzeit ist. Dass das Netzwerk nach Hundisburg ein Stück größer geworden ist, dürfte dabei zumindest nicht schaden.

‍

„Wir haben uns entschieden, wir selbst zu sein“

Auch wenn der Kreis größer wird, steht für Sander Dornblut doch stets die Nähe im Mittelpunkt: „Wir stecken unser komplettes Herz und unser komplettes Wesen in dieses Projekt.“ Natürlich könne man auch mit mehr Distanz Musik machen. Als Livemusiker:in. Oder mit einem Alter Ego. Die beiden wollen das nicht. „Wir haben uns eben für den Weg entschieden, wir selbst zu sein.“

Ihre Kritik an der Musikindustrie lässt sich deshalb kaum von ihrer eigenen Geschichte trennen. Nach rund zehn Jahren in diesem Umfeld hätten sie sich damit nie wirklich anfreunden können, sagt Valentina. Finja macht daraus einen Witz: „Die Frage ist nie gewesen, was die Branche für uns tun kann, sondern was wir für die Branche tun können!“ Beide lachen, doch ihre eigentliche Forderung ist ernst. Sie wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für Newcomer:innen, deren Weg tatsächlich „auf ’ner Bühne vor zehn Leuten beginnt“. Valentina möchte Livemusik wieder stärker im Fokus sehen und mehr Förderung für kleine Clubs und Vereine. Finja beobachtet gleichzeitig, wie die Schere zwischen großen Erfolgen und Underground immer weiter auseinandergeht. „Es geht selten um das, was Artists zu sagen haben, sondern meistens darum, wie man so schnell wie möglich viel Geld daraus machen kann.“

‍

Zurück zu dem, was wichtig ist

Mit Sander Dornblut setzen Finja und Valentina nach diesen Jahren etwas neu zusammen. Lange war Musik für beide eng mit Druck verbunden. Heute wollen sie zuerst wieder wissen, warum sie überhaupt Songs schreiben. Ob daraus Reichweite, Erfolg oder eine größere Karriere entsteht, soll diesmal nicht mehr alles bestimmen. Vor zwölf Jahren saß Valentina am Schlagzeug, als Finja zum ersten Mal einen Bass umgehängt bekam. Heute stehen sie wieder gemeinsam auf der Bühne. Am Ende bleibt vor allem ein Satz hängen: „Wir holen uns das zurück.“

Am 28. November 2026 treffen sich alle Bundesfinal-Acts zur Preisverleihung im Moritzhof Magdeburg wieder. Zuvor kann das Publikum nach Veröffentlichung der auf Schloss Hundisburg entstandenen Videos ab dem 19. November eine Woche lang über seinen Favoriten abstimmen. Insgesamt werden sieben Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro vergeben.

Text: Nicole Oppelt

+++++++++++++++++++++++++++++++++++

Du möchtest mit Deiner Band oder als Solo-Act bei local heroes dabei sein? HIER findest Du die Ansprechpartner:innen in Deinem Bundesland.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++

Diese Acts standen im Bundesfinale 2026:
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:

Blumen für mich für Baden-Württemberg
Plume für Bayern
Hermitcrab für Berlin
Floe für Brandenburg
JoschY für Bremen
Carls8erg für Mecklenburg-Vorpommern
Eythee für Niedersachsen
Aylin Celik für Nordrhein-Westfalen
Vianne für Rheinland-Pfalz
Sander Dornblut für Sachsen
Raptiloiden für Sachsen-Anhalt
Quiet Girl für Schleswig-Holstein
kickpunchpow für Thüringen

Die Jury und Coaches 2026:
Martin Hommel
(Musikjournalist und Coach)
Marie Antoinette Lührs (Sängerin und Vocalcoach)
Chris Heide (Booker und Musikmanager)
Michael Vajna (Komponist, Musikproduzent und Keyboarder)
David Pfeffer (Sänger & Songwriter, Musikproduzent)

‍