
Summer Breeze, Reeperbahn Festival, local heroes-Bundesfinale: Plume sind die vielversprechendste Newcomer-Band Bayerns. (Foto: Line Tsoj)
Plume aus München bringen beim local heroes-Bundesfinale Rock mit Metalcore-, Hyperpop- und Pop-Einflüssen auf die Bühne. Ihre Musik nennen sie selbst „geordnetes Chaos“. Am 28. November wird verkündet, ob die Band zu den diesjährigen Preisträger:innen des wichtigsten Non-Profit-Newcomer-Musikpreises Deutschlands, local heroes, gehört.
Plume lernen sich schon in ihrer Kindheit am Skatepark kennen. Seit 2020 machen David Riederer, Luka Lorch, Pascal Pashaee und Richard Kilian gemeinsam Musik. Inzwischen blickt die Band auf ein Album-Release zurück – und darf ihr Heimatbundesland Bayern im local heroes-Bundesfinale vertreten. Hierfür reisen die vier Musiker vom 3. bis 6. September auf das sachsen-anhaltische Schloss Hundisburg.
Nicht alle Meilensteine ihrer Bandgeschichte sind für Plume so leichtgängig wie ihr Kennenlernen im Skatepark. Die wohl größte Challenge ihrer musikalischen Historie trägt sogar einen Titel: „Saferooms & Healing Frequencies“, ihr Debütalbum. Plume warten lange auf den Moment, an dem sich ein eigener Longplayer richtig anfühlt. Erst während der Arbeit daran merken sie, was diese Entscheidung bedeutet. „Zwei Jahre drehen sich alle Gedanken und Dinge, die man tut, nur um dieses Album und man stößt auf immer neue Herausforderungen“, erinnern sie sich an diese intensive Zeit. Der Aufwand ist enorm. Plume beschreiben den Prozess trotzdem als „unfassbar erfüllend“. Und sie sehen das Album ausdrücklich nicht als Endpunkt. „Für uns ist es erst der Anfang.“

Pascal Pashaee ganz im Moment. Mit spürbarer Intensität trägt er den Song und zieht die Aufmerksamkeit mühelos auf sich. (Foto: Anna Pospiech)
Eine Zeitkapsel aus Heilung und Selbstakzeptanz
Auch inhaltlich steckt viel von diesen Jahren im Album. „Musik ist immer eine Zeitkapsel“, sagen sie. Darin landen Gefühle, Emotionen, Inspirationen und all das, was während des Songwritings gerade im eigenen Leben herumspukt. „Saferooms & Healing Frequencies“ beschäftigt sich vor allem mit dem komplizierten Prozess von Heilung und Selbstakzeptanz. Die Songs halten damit ziemlich genau fest, womit Plume sich in dieser Zeit beschäftigt haben.
Musikalisch wollen Plume sich ohnehin nicht allzu sauber in eine Schublade sortieren lassen. Ihre eigene Beschreibung ist griffiger: „Unsere Musik ist geordnetes Chaos.“ Bei ihnen treffen Rock, Metalcore, Hyperpop und Pop aufeinander. Gerade die Einflüsse aus Metalcore und Hyperpop sehen Plume beim Bundesfinale als etwas, das sie vom übrigen Teilnehmerfeld unterscheidet.

Eine charismatische Show, die im Gedächtnis bleibt: Plume auf Schloss Hundisburg. (Foto: Anna Pospiech)
Erst Summer Breeze, dann Hundisburg
Doch noch bevor sie nach Schloss Hundisburg fahren, bekommen die Songs des Albums einen ziemlich großen Praxistest. Beim Summer Breeze spielen Plume im Sommer auf einer großen Festivalbühne. Für die Band ist das „ein absolutes Highlight“. Besonders, weil dort bereits Songs vom kommenden Album zu hören sind.
Auch der Weg zum Bundesfinale bringt einen Auftritt mit sich, der hängen bleibt. Beim bayerischen Landesfinale treten die fünf besten Acts auf dem Festival Ab geht die Lutzi auf, um sich dem Publikum und der Jury zu präsentieren. Für Plume wird genau diese Show zu einem unerwarteten Höhepunkt ihres Live-Sommers. „Das Zelt war voll, die Leute waren voll dabei und konnten teilweise schon die Texte auswendig“, erinnern sie sich an diesen besonderen Moment zurück. „Dadurch hat es sich wie eine eigene Show auf dem Festival angefühlt.“

Gemeinsam mit dem gesamten Team von local heroes Bayern halten Plume einen Moment fest, der zeigt, wie viel Unterstützung und gemeinsames Engagement hinter ihrem Weg steckt. (Foto: Anna Pospiech)
Bayern, aber bitte nicht zu eng
Beim Bundesfinale vertreten Plume Bayern. Eine besonders starke regionale Identität verbinden sie mit ihrer Musik allerdings nicht. „Für uns bedeutet das, dass auch neue Musik aus Bayern kommen kann.“ Ihre Musik habe einen „internationaleren Appeal“, sagen sie. Wo eine Band herkommt, sollte für sie am Ende weniger wichtig sein, als das, was sie musikalisch macht.
Über die Bedingungen in ihrem Bundesland sprechen sie trotzdem positiv. Gerade München biete ihrer Ansicht nach im Vergleich zu vielen anderen Orten gute Fördermöglichkeiten für Newcomer. Die Szene selbst empfinden sie hingegen als eher klein, auch weil es wenige Orte gebe, an denen Menschen zusammenkommen könnten. Ein gewisser Support sei aber dennoch schon immer da gewesen.
Ein größeres Problem sehen Plume bei der Sichtbarkeit. „Die größte Hürde für Newcomer ist die Schaffung von Sichtbarkeit und das auf sich aufmerksam machen“, sind sie überzeugt. Es gebe viel gute Musik und faszinierende Kunst, die nie gehört oder gesehen werde. Nicht weil die Qualität fehlt, sondern weil die Reichweite nicht da sei. Und weil es schwer sein kann, sie überhaupt erst aufzubauen.

Beim Social Media Interview erzählen Plume von ihrem „geordneten Chaos“, vom langen Weg zum Debütalbum und davon, warum sich all die Arbeit am Ende lohnt. (Foto: Cora Schrage)
Vorbereitung? Eher nicht
Wie man sich vorstellen kann, läuft vor dem Bundesfinale bei Plume einiges gleichzeitig: Urlaub. Musikvideos. Albumrelease. Die Vorbereitung auf Hundisburg bleibt dabei offenbar ein wenig auf der Strecke, wie sie gestehen: „Die Setlist für die Show haben wir beim Bundesfinale erst am Vortag zusammengestellt und dann vor Ort zum ersten Mal gespielt. Da wir über den Sommer aber schon viel auf Live-Bühnen standen, haben wir uns da nicht zu viel Gedanken gemacht, da es mittlerweile sehr eingespielt ist.“
Ein wichtiger Aspekt, der auch den Profis ins Auge sticht. Denn beim Auftritt fällt der Jury vor allem auf, wie klar Plume ihre Live-Show bereits gestalten. Die Performance beeindruckt sie allesamt. Und obendrein habe die Band eine echte „Crowd Control“. Die Band habe sich viele Gedanken darüber gemacht, wie sie auftreten und wirken wolle. Auch ihr eigener Sound ist für die Jury klar erkennbar. Ihr Fazit: „Die haben Aura in dem, was sie machen. Die wissen, was ihr Sound ist.“ Technik, Performance und Gesamtwirkung greifen für die Jury bereits ziemlich selbstverständlich ineinander.

Beim Fotoshooting zeigen Plume, wie klar sie ihre eigene Bildsprache schon gefunden haben. Konzentriert, stilbewusst und mit derselben Konsequenz, die auch ihren Sound prägt. (Foto: Laura Hubenthal)
Für ein paar Tage nur Band sein
Auf Schloss Hundisburg entdecken Plume aber noch etwas anderes. Nämlich, wie viel möglich wird, wenn für ein paar Tage fast ausschließlich Musik im Kopf Platz hat. „Wenn sich der Kopf den ganzen Tag nur um die eigene Musik drehen kann, ist viel mehr Raum für kreative Arbeit.“ Den Alltag für einige Tage hinter sich zu lassen und sich nur der Band zu widmen, empfinden sie als besonders wertvoll. Dazu kommt der Austausch mit den anderen Acts. „Am Ende macht jede etwas anderes und doch haben alle die gleichen Probleme, Sorgen und Herausforderungen.“ Die Coachings geben ihnen zudem Impulse und schaffen Raum, um sich auf einzelne Themen zu konzentrieren und die eigene Arbeit noch einmal zu hinterfragen.
Besonders inspirierend sind für Plume aber die Live-Momente auf dem Schloss: „Vor allem die Konzerte jeden Abend waren ein tolles Erlebnis! So viele verschiedene Artists mit verschiedener Musik in so kurzer Zeit und auf diesem Niveau zu erleben, macht unfassbar Spaß und befeuert den eigenen Kreativprozess.“
Einen bestimmten Karrieresprung erwarten Plume von ihrer Teilnahme bei local heroes übrigens gar nicht. Für sie habe sich Hundisburg bereits durch die gemeinsamen Tage, den Austausch und die Musik gelohnt. Auch zu den anderen Artists entstehe ein guter Kontakt. Was sich daraus langfristig entwickeln könnte, lassen Plume offen.

Beim Shooting im Schloss wirken Plume zugleich konzentriert und ganz bei sich. Zwischen historischen Räumen und ihrer eigenen klaren Ästhetik entstehen Bilder, die gut zu ihrer Musik passen. (Foto: Line Tsoj)
Nach dem Album ist vor dem Album
Gerade ist „Saferooms & Healing Frequencies“ erschienen. Jetzt soll das Album möglichst viele Menschen erreichen. Im kommenden Jahr wollen Plume außerdem deutlich mehr live spielen, und zwar in ganz Deutschland – wenn es klappt, gerne auch darüber hinaus. Im Geiste sind sie jedenfalls längst beim nächsten Schritt. „Nach dem Album ist bekanntlich auch vor dem Album, wir sind also mit unseren Gedanken bereits dabei weiter in die Zukunft zu denken.“
Danach gefragt, was ein Musikprojekt langfristig braucht, um erfolgreich zu sein, werden Plume sehr konkret: „Kreative Visionen, unkonventionelle Ansätze und sehr viel Durchhaltevermögen und Arbeitsbereitschaft.“ Für die eigene Band bedeute das vor allem Einsatz. „Wir nehmen all unsere Energie und Zeit dafür her.“
Mehr kleine Konzerte, mehr eigene Entdeckungen
Von der Musikbranche wünschen sich Plume vor allem mehr Unterstützung für Popkultur. Fördermöglichkeiten müssten erhalten und ausgebaut werden. Ihr zweiter Wunsch richtet sich weniger an Institutionen als ans Publikum. „Außerdem sollten alle wieder mehr auf kleine Konzerte gehen und wieder mehr Musik auf eigene Faust entdecken.“
Plume selbst haben für die nächste Zeit genug vor. Während „Saferooms & Healing Frequencies“ gerade erst seinen Weg zum Publikum findet, denken David, Luka, Pascal und Richard längst darüber nach, was danach kommen könnte… vielleicht „geordnetes Chaos“?
Am 28. November 2026 treffen sich alle Bundesfinal-Acts zur Preisverleihung im Moritzhof Magdeburg wieder. Zuvor kann das Publikum nach Veröffentlichung der auf Schloss Hundisburg entstandenen Videos ab dem 19. November eine Woche lang über seinen Favoriten abstimmen. Insgesamt werden sieben Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro vergeben.
Text: Nicole Oppelt
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Diese Acts standen im Bundesfinale 2026
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:
Blumen für mich für Baden-Württemberg
Plume für Bayern
Hermitcrab für Berlin
Floe für Brandenburg
JoschY für Bremen
Carls8erg für Mecklenburg-Vorpommern
Eythee für Niedersachsen
Aylin Celik für Nordrhein-Westfalen
Vianne für Rheinland-Pfalz
Sander Dornblut für Sachsen
Raptiloiden für Sachsen-Anhalt
Quiet Girl für Schleswig-Holstein
kickpunchpow für Thüringen
Die Jury und Coaches 2026:
Martin Hommel (Musikjournalist und Coach)
Marie Antoinette Lührs (Sängerin und Vocalcoach)
Chris Heide (Booker und Musikmanager)
Michael Vajna (Komponist, Musikproduzent und Keyboarder)
David Pfeffer (Sänger & Songwriter, Musikproduzent)
















