Auf Musiker*innen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, warten zahlreiche organisatorische und rechtliche Fragen. Wir beantworten euch deshalb in zwei Teilen die häufigsten Fragen, die sich junge Bands und Solo-Artists stellen.

Eigentlich wollen die Künstler*innen sich ja am liebsten voll und ganz auf die Musik konzentrieren, doch um erfolgreich zu sein lohnt es sich, das kleine 1x1 des Musikmanagements zu beherrschen.

(1) Brauche ich ein Gewerbe um Musik zu machen? Welche Rechtsform ist für Bands geeignet?

Für viele Artists ist dies am Anfang die sicher wichtigste Frage. Als Musiker*in wirst du nach deutschem Recht als Freiberufler*in eingestuft. Du brauchst deshalb zunächst kein Gewerbe anmelden, sondern nur eine Steuernummer beim Finanzamt beantragen. Diese musst du dann auf den Rechnungen angeben, die du beispielsweise für deine Auftritte stellst. Anders sieht es aus, wenn du durch Verkäufe Umsätze generierst, zum Beispiel durch Merchandise und CDs, denn das sind gewerbliche Tätigkeiten. Als Solokünstler*in, die noch keine großen Umsätze (weniger als 17.500 Euro im Jahr) macht, bietet sich hierfür ein Kleingewerbe an.

Für Bands empfiehlt sich als Rechtsform die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Eine GbR bildet sich immer dann, wenn mehrere Personen mit einem gleichen Ziel regelmäßig zusammen treffen – also zum Beispiel zum Musik Machen, Aufnehmen und vielleicht auch Verkaufen. Hierfür braucht ihr keinen schriftlichen Vertrag – jedoch bietet sich ein solcher an, um unterschiedliche Anteile an der GbR und Regelungen für einen möglichen Ausstieg und Wechsel einzelner Bandmitglieder zu regeln. Auf eure Rechnungen kommen dann die Anschrift und die Steuernummer der GbR, und nicht von euch persönlich. Diese müsst ihr beim zuständigen Finanzamt beantragen.

(2) Was bedeutet das Gründen einer GbR für das Urheberrecht unserer Musik?

Das Urheberrecht ist immer personengebunden. Das bedeutet, dass nur der*die tatsächliche Autor*in bzw. Komponist*in eines Musikstücks als Urheber gilt, auch bei der GEMA. Die Gründung einer GbR ändert daran nichts.

(3) Was ist der Unterschied zwischen der GEMA und der GVL?

In der deutschen Musiklandschaft gibt es zwei Verwertungsgesellschaften: Die GEMA und die GVL. Die GEMA beschäftigt sich mit den Rechten der Urheber von Musik, das heißt all den Personen, die Songs geschrieben oder komponiert haben, diese aber nicht zwangsläufig selbst performen. Die GVL verwertet dagegen die Leistungsschutzrechte, die auf Seiten der Plattenfirmen und Musiker*innen entstehen, die die Musik einspielen.

(4) Ist es sinnvoll für mich, GEMA-Mitglied zu werden?

Grundsätzlich ist dein Werk – also zum Beispiel der Song, den du geschrieben hast – vom Moment der Erschaffung an urheberrechtlich geschützt. Du musst also kein GEMA-Mitglied sein, um deine Rechte als Urheber genießen zu können. Sind jedoch Einnahmen durch die Verwertung deiner Musik zu erwarten, ist eine GEMA-Mitgliedschaft durchaus sinnvoll – zum Beispiel dann, wenn deine Songs öffentlich gespielt werden, ganz gleich ob live oder im Radio. Besonders interessant wird die GEMA-Mitgliedschaft dadurch, dass die GEMA kürzlich eine Einigung mit der Videoplattform YouTube erzielt hat. Künftig werdet ihr also auch vergütet, wenn eure Musikvideos auf YouTube gespielt werden.

Eine GEMA-Mitgliedschaft lohnt sich ab dem Punkt, wo mehr Geld zu erwarten ist, als für die Mitgliedschaft zu zahlen. Neben einer Aufnahmegebühr von 107,10 Euro liegen die Beiträge derzeit bei 50,00 Euro jährlich. Eine Mitgliedschaft lohnt sich für Bands meist schon bei fünf bis zehn kleineren Clubkonzerten im Jahr, wobei die GEMA-Einnahmen von der Raumgröße des Clubs, den Eintrittspreisen und anderen Faktoren abhängig sind.

Es gibt jedoch auch Sonderfälle, bei denen eine GEMA-Mitgliedschaft eher hinderlich sein kann. Einige Newcomer-Bandwettbewerbe, die CDs der Teilnehmer produzieren, schließen GEMA-Mitglieder beispielsweise von einer Teilnahme aus, um keine zusätzlichen Kosten zu verursachen. Auch in der Gaming-Industrie wird bevorzugt mit GEMA-freier Musik gearbeitet. Musiker*innen sollten sich deshalb gut überlegen, was sie mit ihrer Musik vorhaben und ab wann sich eine Mitgliedschaft lohnt, denn einzelne Titel können leider nicht von der Verwertung durch die GEMA ausgeschlossen werden.

(5) Und was macht eigentlich ein Musikverlag?

Auch die Arbeit eines Musikverlags hat mit den Urheberrechten zu tun. Musikverlage betreuen Autor*innen und Komponist*innen und sorgen dafür, dass ihre Werke Gehör finden und ihre Rechte verwertet werden. Sie unterstützen die Künstler*innen auch dabei, sich weiter zu entwickeln und kümmern sich um die GEMA-Abrechnung. Einen spannenden Einblick zur Arbeit mit Musikverlagen bieten unsere Insider-Infos zur Arbeit mit Musikverlagen.

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Wir hoffen, unser erster Teil des kleinen 1x1 konnte eure wichtigsten Fragen beantworten. Was möchtet ihr noch zum Thema Musikmanagement wissen? Schickt uns eine Nachricht.

Die Inhalte für diesen Artikel haben wir beim „Music Xchange Day“ am 05.12.2016 in Köln gesammelt. Dieser Coaching- und Sessiontag wurde ermöglicht durch das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes.

Zum zweiten Teil dieses Artikels

Text: Lina Burghausen | Mona-Lina

Bild: Bernd Zahn