Zurück zum BlogVom 3. bis 6. September 2026 wurde Schloss Hundisburg bei Magdeburg zum Treffpunkt für 13 vielversprechende Newcomer-Acts aus ganz Deutschland. Vier Tage lang standen musikalische Entwicklung, professionelles Coaching, Austausch und gemeinsames Musikmachen im Mittelpunkt. Ein Fördermodell, das jungen Künstler:innen Freiräume eröffnet und angesichts der politischen Debatte über die Zukunft der Kulturförderung in Sachsen-Anhalt aktueller ist denn je.
Im Jahr seines 35. Geburtstags erlebt local heroes damit ein Bundesfinale zu einem besonderen Zeitpunkt. Das Land Sachsen-Anhalt zählt seit vielen Jahren zu den wichtigen Förderern des gemeinnützigen Musikpreises. Zugleich wird im Land darüber gestritten, nach welchen Kriterien Kultur künftig öffentlich unterstützt werden soll.
Die AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt beantragte im Juni 2026, Landes- und kommunale Kulturförderung davon abhängig zu machen, dass Fördermittelempfänger ein Bekenntnis zur deutschen Nationalkultur abgeben. Auch im Landtagswahlkampf spielte die kulturpolitische Ausrichtung eine Rolle. Gerade Popkultur lebt von Offenheit, Widerspruch, internationalem Austausch und der Fähigkeit, gesellschaftliche Normen infrage zu stellen. Wenn öffentliche Förderung davon abhängig wird, ob Kultur einem bestimmten nationalen oder politischen Kulturverständnis entspricht, trifft das ausgerechnet jene freien Szenen, die kulturelle Innovation hervorbringen.
Was würde verloren gehen, wenn Projekte wie local heroes künftig nicht mehr im bisherigen Umfang unterstützt werden könnten? Einen Eindruck davon vermittelte das diesjährige Bundesfinalcamp auf Schloss Hundisburg.
Vier Tage für Musik statt ein Abend für einen Pokal
Bereits zum fünften Mal in Folge kamen das achtköpfige local heroes-Team, über 40 ehrenamtliche Helfer:innen und die 13 für das Bundesfinale qualifizierten Acts für mehrere Tage auf Schloss Hundisburg zusammen. Das Ziel: möglichst viel nachhaltigen Mehrwert für alle Teilnehmenden schaffen.
Denn das Bundesfinale ist alles andere als ein klassischer Musikwettbewerb. Die Bands und Solo-Acts konnten sich untereinander und mit Branchenprofis vernetzen, absolvierten Interviews und Fotoshootings, erhielten Coachings und standen für ihre eigenen Live-Aufnahmen auf der Bühne.
Das Konzept wurde 2026 weiterentwickelt. Nachdem die abendlichen Konzerte bislang in der Scheune des Schlosses stattgefunden hatten, zogen die Shows erstmals in den Veranstaltungssaal des Schlossnebengebäudes. Dort entstanden in diesem Jahr außerdem professionelle Videoaufnahmen ausgewählter Songs, die den Acts anschließend für ihre weitere Karriere zur Verfügung gestellt werden.
Neu organisiert wurde auch das Coaching-Angebot. Zusätzlich zu einzelnen Gesprächsrunden gab es erstmals feste Themenblöcke, in denen die Musiker:innen intensiv an konkreten Fragen ihrer künstlerischen und beruflichen Entwicklung arbeiten konnten.
Von Booking bis Bühnenpräsenz
Musikjournalist und Coach Martin Hommel (u.a. BBC Radio 6 Music, ZDF, Arte, Popkultur Preis-prämierter Newsletter „Ein Song reicht“) sprach mit den Teilnehmenden unter dem Titel „Musik machen & klarkommen! Wie macht ihr das eigentlich?“ über den Alltag als Musiker:in. Sänger und Songwriter David Pfeffer (X-Factor) widmete sich der Frage, wie sich mit Musik Geld verdienen lässt. Booking-Experte Chris Heide (Gründer der Musikagentur Schockverliebt, c/o pop Festival, Kiezkultur Festival) vermittelte unter dem Titel „How to Booking“ Grundlagen für Konzertakquise und Veranstaltungsplanung, während Musikproduzent, Komponist und Songwriter Michael Vajna (u.a. Lina Maly, Malky, The Intersphere) in seinen „Producing Essentials“ praktische Einblicke in die Musikproduktion gab.
Sängerin und Vocalcoach Marie Antoinette Lührs (u.a. All Artists Agency) beschäftigte sich mit der „Präsenz auf und neben der Bühne“. Rund eineinhalb Stunden lang ging es darum, wie Künstler:innen nicht nur während eines Auftritts, sondern über einen gesamten Konzertabend hinweg wahrgenommen werden.
„Es gehört genauso dazu, sich backstage als coole Person zu verhalten, wie sein Bühnenbild so auszuchecken, dass es eine runde und stimmige Geschichte ist“, sagt Lührs.
Dabei ging es ausdrücklich nicht um ein starres Ideal für Bühnenpersönlichkeiten. Auch Lampenfieber, Introvertiertheit und unterschiedliche Formen des Auftretens wurden thematisiert. Entscheidend sei, jungen Künstler:innen zu ermöglichen, ihre eigene Persönlichkeit so zu zeigen, dass sie beim Publikum auch so ankommt, wie sie es selbst beabsichtigen.
Das Ziel formuliert Lührs ebenso einfach wie treffend: das „Leuchten der Kunst“ zu bestärken.
13 Acts, drei Shows und ein gemeinsames Camp
Auch die Öffentlichkeit konnte die Musiker:innen während des Bundesfinales erleben. Bei drei abendlichen Live-Shows präsentierten die 13 Acts die große stilistische Bandbreite der aktuellen deutschen Newcomer-Szene: von Indiepop und Folk über Alternative Metal bis zu Experimental Rap, Artpop und Avantgarde-Funk-Metal.
„Local heroes ist weit mehr als ein Wettbewerb: Alle Artists erhalten Zugang zu professionellen Produktionsbedingungen, individueller Betreuung und einem Netzwerk, das sie motiviert, professionalisiert und in einem geschützten Rahmen weiterentwickelt. Hinter den Tagen auf Schloss Hundisburg stehen zahlreiche Menschen aus ganz Deutschland und hunderte Stunden ehrenamtlichen Engagements. Öffentliche Förderungen sowie Spenden und Sponsorings finanzieren hier nicht nur ein Musiker:innen-Netzwerk, sondern konkrete Chancen, Erfahrungen und Kontakte, die langfristig in die musikalischen Biografien aller 13 Acts hineinwirken“, betont local heroes-Geschäftsführerin Julia Sasse die Notwendigkeit von öffentlich gestützter Newcomerförderung.
Musik ist gelebte Demokratie
Musik ist gelebte Demokratie
Die Jury zeigte sich vor allem vom durchgehend hohen musikalischen Niveau, das von Jahr zu Jahr steige, und der großen stilistischen Vielfalt der Acts beeindruckt. Neben dem enormen künstlerischen Potenzial hoben die Expert:innen vor allem die offenen und ehrlichen Gespräche mit den Musiker:innen hervor, aus denen alle Beteiligten konkrete Impulse für ihre weitere Entwicklung mitnehmen konnten. Besonders wertvoll sei dabei die außergewöhnlich herzliche und respektvolle Atmosphäre von local heroes, die zeige, dass die Musikindustrie auch anders funktionieren könne.
Mit Blick auf die Zukunft solcher Förderformate machte Chris Heide deutlich:
„Ein Förderprogramm wie local heroes, in dem so aktiv Nachwuchsarbeit für Musikschaffende geleistet wird, ist der Nährboden, von dem die Gesellschaft lebt. Solche Formate, in denen Künstler:innen ihre ersten Erfahrungen sammeln können, werden gebraucht.“ Er ist überzeugt: „Bei local heroes entsteht Zukunft. Hier stehen Acts, die künftig vielleicht tausende Menschen glücklich machen und für Zusammenhalt in der Gesellschaft stehen. Das brauchen wir weiterhin.“
Martin Hommel unterstreicht zudem einen weiteren, wesentlichen Aspekt:
„Kultur ist Demokratie. Wir fördern hier Demokratie. Wenn man da streicht, streicht man an der Demokratie.“ Gerade weil Menschen unterschiedlichster Genres und Hintergründe hier zusammenkommen, gelte nach Ansicht von Michael Vajna mehr denn je: „Musik verbindet! Es ist im Interesse aller, dass die Verbindung zwischen den Menschen wieder stattfindet.“
Damit machte das Jubiläums-Bundesfinale erneut deutlich, wofür local heroes steht: Der Musikpreis bietet nicht nur eine Bühne für musikalisches Talent. Er schafft einen Lern-, Begegnungs- und Inspirationsort für junge Künstler:innen, bringt Menschen aus unterschiedlichen Regionen und musikalischen Szenen zusammen und verbindet Nachwuchsförderung mit professionellen Strukturen.
Was dabei entsteht, lässt sich kaum auf einen einzelnen Konzertabend reduzieren. Es sind Kontakte, Erfahrungen, professionelle Aufnahmen und neues Wissen, die die Teilnehmenden mit nach Hause nehmen und von denen ihre weitere musikalische Entwicklung profitieren kann.
Preisverleihung am 28. November in Magdeburg
Wer beim local heroes-Bundesfinale 2026 ausgezeichnet wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
Die Preise werden am 28. November 2026 im Moritzhof Magdeburg im Rahmen einer exklusiven Gala mit allen teilnehmenden Acts verliehen. local heroes lädt dazu Vertreter:innen aus Politik, Medien, Musikindustrie und Förderlandschaft ein, gemeinsam die deutsche Newcomer-Musikszene zu feiern und neue Verbindungen entstehen zu lassen.
Neben der Fachjury entscheidet auch das Publikum mit. Nach Veröffentlichung der im Bundesfinalcamp entstandenen Musikvideos kann ab 19. November 2026 eine Woche online abgestimmt werden. Das Publikum vergibt dabei einen eigenen Publikumspreis.
Insgesamt werden Preise in sieben Kategorien vergeben. Die Gewinner:innen können sich über Preise und Förderleistungen im Gesamtwert von rund 15.000 Euro freuen.
Diese Acts stehen im Bundesfinale 2026
Alle Acts hatten sich über Landesausscheide oder Nominierungen für das Bundesfinale qualifiziert und vertraten dort ihr jeweiliges Bundesland:
Baden-Württemberg – Blumen für mich
Alternative Indie-Rock aus Weingarten
Bayern – Plume
Rock mit Metalcore-, Hyperpop- und Pop-Einflüssen aus München
Berlin – Hermitcrab
Avantgarde-Funk-Metal aus Berlin
Brandenburg – Floe
Deutschpop/Singer-Songwriterin aus Ahrensfelde
Bremen – JoschY
Indie-Pop aus Bremen
Mecklenburg-Vorpommern – Carls8erg
Experimental Indie & Hyperpop aus Rostock
Niedersachsen – Eythee
Artpop aus Lüneburg
Nordrhein-Westfalen – Aylin Celik
Pop mit UK-Garage-, Neo-Soul- und R&B-Einflüssen aus Düsseldorf
Rheinland-Pfalz – Vianne
Folk/Singer-Songwriterin aus Trier
Sachsen – Sander Dornblut
Indiepop im Stil der Hamburger Schule aus Leipzig
Sachsen-Anhalt – Raptiloiden
Satirischer Experimental-Deutschrap aus der Area 51 (Nilles Air Force Base)
Schleswig-Holstein – Quiet Girl
Hardcore-driven Alternative Metal aus Lübeck
Thüringen – kickpunchpow
Pop-Trap aus Jena
Spotify:
Hier geht’s lang!
Die Jury und Coaches 2026
Martin Hommel – Musikjournalist und Coach
Marie Antoinette Lührs – Sängerin und Vocalcoach
Chris Heide – Booker
Michael Vajna – Komponist, Musikproduzent und KeyboarderDavid Pfeffer – Sänger und Songwriter
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Titelbild und Galerie: Line Tsoj
Pressetext: Nicole Oppelt & Lina Burghausen






















