HipHop ist aktuell eines der beliebtesten Genres in Deutschland. Du bist aber schon viel länger dabei. Welche Wege haben dich zum Rap geführt?

Zuerst habe ich die HipHop-Kultur zelebriert, später erst mit Rappen angefangen. Ich war 14, als „Lose Yourself“ von Eminem rauskam. Der Song hat mich richtig gepackt. Von da an habe ich mich immer mehr mit HipHop auseinandergesetzt. Zum Rap bin ich mit 16 Jahren das erste Mal gekommen, aber da hatte ich noch nicht genug Selbstvertrauen und habe schnell aufgegeben. Es gab damals eigentlich nur drei Personen in unserer Stadt, die offensichtlich HipHopper waren. Erst vor vier Jahren habe ich die ersten richtigen Schritte im Rap gemacht und mich seitdem stetig gesteigert. Bis heute ist das für mich sehr viel Selbstreflexion. Ich mache viel Real-Talk und Storytelling, fast schon psychoanalytisch, weil ich das auch für mich selbst brauche.

Mainstream-Rap ist derzeit von vielen elektronischen Einflüssen wie Autotune und Trap-Beats geprägt. Dein Sound orientiert sich eher an Oldschool-Beats und klassischem Rap. Ist es dir wichtig an diesem Stil festzuhalten und wodurch lässt du dich dabei inspirieren?

Ich persönlich entwickele mich immer für mich allein weiter. Wie sich andere Künstler ausprobieren, ist deren Ding. Ich muss für mich trennen, ob ich mit der Masse mitgehe und mich für sie verändere oder ich selbst bleibe und meine Kunst erweitere. Das ist ein Riesenunterschied für mich. Und wenn ich mal einen Track auf Autotune machen möchte, dann würde ich das auch machen. Ich finde alles, was in der Musik passiert, ist gut. Aber oft wird eine Welle geritten und ausgequetscht bis auf den letzten Cent. Das finde ich schade. Ich werde wahrscheinlich oft für Oldschool gehalten, weil ich sehr textbezogen rappe. Ich probiere mich gerne aus, mal lustig, mal tiefgründig, mal traurig, das ist immer so der Drang der Zeit. Die meisten Tracks entstehen aus meinem aktuellen Gefühl heraus, wenn ich etwas verarbeite. In letzter Zeit war das sehr nachdenklich und düster, mittlerweile wieder mehr experimentell und verrückt. Das ändert sich stetig.

Storyteller-Rap hat viel mit Geschichten und persönlichen Erfahrungen zu tun. Was möchtest du mit deiner Musik erzählen und beim Publikum erreichen?

Ich lege viel Wert auf Aussagen in meiner Musik. Damit das funktioniert, musst du eine Szenerie erschaffen. Dafür gibt sich der Mainstream-Rap meistens keine Mühe. Die Leute werden wortkarg. Ich möchte mit meiner Musik nur Werte vermitteln. Sei es mal zu sagen: „Denk nicht zu viel nach und schalt mal ab”, oder gerade an den richtigen Stellen zum Denken anzuregen. Eigentlich möchte ich zu einer besseren Gesellschaft beitragen, denn Musik mache ich nicht nur für mich, sondern auch für andere. So funktioniert für mich die Welt, es funktioniert nichts allein. Ich würde mir wünschen, dass sich andere in der Musik wiederfinden.

Was war bisher dein größtes Highlight: Ein Konzert oder Begegnung, ein Track den du geschrieben hast?

Das war meine Entscheidung, für die Musik zu leben. Ich bin immer noch in der Phase, das umzusetzen. Es ist sehr schwer als Musiker, jetzt durch Corona noch mehr. Vor allem gehe ich nebenbei noch Vollzeit arbeiten, das minimiert meine Zeit noch mehr. Aber die Entscheidung selbst bereue ich nicht. Ich möchte diesen Weg gehen und den gehe ich bis zum Ende. Das steht für mich fest. Für ein Zurück ist es zu spät.

Wie schaffst du es, deinen Lebenstraum als Musiker mit deiner Arbeit zu verbinden?

Man muss eine Entscheidung treffen und sich sicher sein, dass man diesen Weg dann auch geht. Wenn man seinem Wort treu bleibt, hält einen auch nix davon ab. Da geht man bis in den Tod – das muss man sich wirklich so sagen. Dann kriegt man auch, was man will. Du brauchst einfach dieses Mindset, dann ist es gar kein Problem auch nach der Arbeit noch zu schreiben. Das war bei mir immer schon da.

Wo siehst du dich als Musiker in den nächsten Jahren? Hast du feste Ziele und Träume vor dir?

Ich habe ein großes Ziel und dazwischen viele kleine. Das große Ziel ist, im Mainstream erfolgreich zu sein. Darauf arbeite ich hin. Aber das wäre von null auf hundert. Die Realität darf ich nicht vergessen – wo stehe ich? Wen kenne ich? Was kann ich? Meines Könnens bin ich mir sehr sicher. Dennoch brauche ich Zeit, um von meinem Talent leben zu können. Daraus resultieren meine Zwischenziele. Ich brauche keine Unsummen Geld, aber muss meinen Lebensunterhalt sichern. Erst wenn ich mit meiner Musik Geld verdiene, fühle ich mich frei. Ich habe bisher keine Arbeit gefunden, die mich erfüllt, außer der Musik. Das kommt vom Herzen. Meine Fans und Follower geben mir viel zurück, das macht mich stolz. Da weiß ich, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein bin. Auf Arbeit geht es meistens nur um Geld und Egoismus, das zermürbt mich.

Auch vor Corona tratst du in der Öffentlichkeit bzw. im Rahmen deiner Musik nur mit Maske auf. Hat das einen bestimmten Grund oder gehört das zum Image?

Ich möchte der Sache kein Gesicht geben. Ich habe diese Guy Fawkes-Maske, die auch Anonymous tragen und die inhaltlich sehr aussagekräftig ist: Es könnte jeder dahinterstecken. Wenn man sich mit den Aussagen in meiner Musik verbunden fühlt, kann man ein Teil davon sein. Das ist der Grundgedanke. Ich könnte auch mein Gesicht zeigen, aber am Ende geht’s mir nur um die Message. Ich möchte etwas erreichen und bewirken, etwas verändern in der Gesellschaft. Außerdem bin ich sehr konfrontationsfreudig und spontan, auch in meinen Texten. Das könnte Probleme geben – ich möchte vorbereitet sein. Da geht es auch nicht nur um mich, sondern um die, die mich kennen und dadurch belastet werden könnten. Ich möchte meine Familie beschützen. Aber das hat nichts mit Image zu tun. Vielleicht nehme ich sie auch mal ab, die Zukunft kennt keiner.

Wie ist es um die HipHop-Community in deiner Stadt bestellt? Fühlst du dich dort gut vernetzt und kannst dich musikalisch ausleben?

Ich bin wegen der Musik umgezogen und lebe aktuell in Lahr, am anderen Ende von Deutschland. In Ostdeutschland ist HipHop nicht sehr groß, außer in Leipzig. In meiner Heimatstadt ist sehr wenig Angebot gewesen. Es gab vielleicht einen Jugendclub, wo man was organisieren konnte. Aber es fehlten einfach die Leute – Haldensleben ist so ein Stadtdorf. Die Leute hören mehr Techno, vor allem Hardtech. Früher hatten wir mehr Möglichkeiten, da hat man mehr unternommen. Heute ist der Trend eher, drinnen zu bleiben. Ich bin in eine andere Stadt gezogen, um mich mit anderen Leuten austauschen zu können.

Bei den local heroes sind oft Bands vertreten. Was hat dich als 1-Personen-Act dazu bewegt, an dem Contest teilzunehmen?

Ich habe erst bei den SPH Music Masters teilgenommen und dort jemanden getroffen, der mich weitervermittelt hat. So funktioniert es, man muss Leute kennenlernen. Ich möchte jede Chance, die ich so kriege, auch nutzen. In den Contests bin ich meist der einzige HipHop-Act. Es geht mir um Erfahrungen: Ich stand bisher drei Mal auf der Bühne und möchte auf weitere Bühnen, um mich weiterzuentwickeln. Ich nehme das ernst, wie ein Trainingsprogramm.

Durch die Corona-Krise verändert sich auch der Ablauf des Contests. Statt Konzerten gibt es Intensivtage, in denen ihr in eurer Bühnenperformance gecoacht werdet. Was erhoffst du dir aus diesen Tagen für deine Zukunft als Musiker mitzunehmen?

Alles. Ich gebe hier mein erstes Interview. Das allein ist schon eine Erfahrung für mich. Bei den Intensivtagen wird mir erstmalig beigebracht, wie ich meine Bühnenpräsenz ausbauen kann. Natürlich habe ich auch Vorerfahrungen, weil ich mich zu Hause schlau mache, aber trotzdem ist vieles neu für mich. Hoffentlich lerne ich da auch neue Leute kennen, darum geht es mir.

Was macht dich zum local hero? Was spricht für dich, Sachsen-Anhalt im local heroes-Bundesfinale zu vertreten?

Das sollen die Fans entscheiden. Nicht man selbst, sondern andere machen einen zum Helden. Nennt mich gerne local hero, aber ich sehe mich nicht so. Natürlich will ich auch gewinnen und meinem Ziel näherkommen. Mir geht es aber vielmehr darum, dass man mich hört und sieht. Ich gönne den Titel jedem. Aber gewinnen möchte ich auch – das entscheidet nur jemand anderes.