Wie können Musikverlage euch als Musiker*innen unterstützen? Und was gibt es beim Thema Rechteverwertung zu beachten? Unsere fünf Tipps, die wir mit unseren Verlagsexperten CALYRA thematisiert haben, geben Aufschluss.

Musikverlage, Labels, Booking- und PR-Agenturen: Für Newcomer wirkt die Musikindustrie schnell wie ein unüberschaubarer Urwald. Das Label bringt die Platten raus, die PR-Agentur kümmert sich um die Kommunikation und der Booker oder die Bookerin verschafft euch Konzerte und Festival-Auftritte – so weit, so gut. Aber was genau macht eigentlich ein Musikverlag?

Musikverlage sind für die Verwertung eurer Rechte zuständig, genau genommen eurer Urheberrechte. Die Verlage sorgen dafür, dass ihr jedes Mal, wenn eure Songs live, im Radio, im Fernsehen oder im Internet gespielt werden dafür vergütet werdet.

Doch wie können Musikverlage euch als Musiker*innen unterstützen? Und was gibt es beim Thema Rechteverwertung zu beachten? Unsere fünf Tipps geben Aufschluss:

1. Den Urheber vom Interpreten unterscheiden

Musikverlage verwerten die Rechte der Urheber von Songs und Musikstücken. Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn ein Song öffentlich gespielt wird, die Urheber Geld dafür bekommen. Das muss jedoch nicht unbedingt die Band sein, die den Song performt: Urheber sind die Personen, die ein künstlerisches Werk geschaffen, also beispielsweise ein Lied komponiert und getextet haben, und das müssen nicht die Interpret*innen des Stücks sein.

2. Die GEMA als Freund betrachten

GEMA – diese vier Buchstaben verbinden viele Musiker*innen vor allem mit einem: Viel Bürokratie. Doch die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte handelt ganz in eurem Sinne! „Rechteverwertung ist eine nicht unerhebliche Möglichkeit, als Band Geld einzunehmen“, so Jens Lindemeyer, A&R-Manager beim Musikverlag Calyra. Insbesondere in Zeiten sinkender Konzertgagen sollten junge Bands sich dies zunutze machen. Ein Musikverlag kann bei den unübersichtlichen GEMA-Abrechnungen sehr behilflich sein, denn er kann Einblicke nehmen, die ein einzelner Musiker gar nicht haben kann, und durch Optimierungen und Nachprüfungen manchmal sogar das Vielfache an GEMA-Einnahmen für euch rausholen. Viele Künstler*innen sind positiv überrascht, wenn sie ihre erste Ausschüttung bekommen – und die aktuellen GEMA-Gebühren von einmalig 107 Euro Verwaltungsgebühr und jährlich 50 Euro Mitgliedsbeitrag sind meist schon nach einem einzigen Konzert wieder drin.

3. Die eigene Band als Unternehmen sehen

Musikverlage helfen Bands und auch Solo-Musiker*innen, ihr eigenes Schaffen langfristiger und professioneller anzugehen. Gemeinsam wird über eure Pläne gesprochen, ihr könnt auf ein Netzwerk und Kontakte zu anderen Musiker*innen sowie Partnern aus der Musikindustrie zurückgreifen und werdet auf eurem Weg zum Erfolg begleitet. Ein guter Verlag wird euch beispielsweise dazu anhalten, realistische Zeitpläne für die Arbeit an eurem Album aufzustellen und diese immer wieder zu überprüfen, sowie die Aufgaben innerhalb der Band sinnvoll zu verteilen. Eine Band oder ein eigenes musikalisches Solo-Projekt funktioniert immer wie ein kleines Unternehmen – und bei all den unterschiedlichen Anforderungen kann ein Musikverlag euch helfen, den Überblick zu behalten.

4. Bei Veranstaltern auf GEMA-Anmeldung bestehen

Immer wieder berichten Nachwuchs-Musiker*innen von der Sorge, als GEMA-Mitglieder nicht mehr gebucht zu werden, weil Veranstalter die hohen GEMA-Gebühren sparen möchten. Glücklicherweise hat sich dies in den vergangenen Jahren sehr verändert: Da Veranstalter inzwischen auch pauschal, und nicht mehr nur nach Konzert, abrechnen können, sind die Kosten für sie gesunken. Und auch Veranstalter verstehen, dass die GEMA eine wichtige Institution zur fairen Bezahlung in der Musikbranche ist. Wenn ein Veranstalter der GEMA-Beitrag für ein Konzert dennoch zu hoch ist, kann es für euch sinnvoll sein, in den Verhandlungen anzubieten, auf einen Teil der Gage zu verzichten, unter der Prämisse dass der GEMA-Beitrag für den Auftritt bezahlt wird. Der Grund: In der Regel bringen die GEMA-Einnahmen den Musikschaffenden deutlich mehr ein als der Anteil der Gage, auf den verzichtet wird – auch wenn bis zur Ausschüttung der Beiträge natürlich Zeit vergeht. Auch hier kann euch ein Musikverlag wichtige Tipps zum Umgang mit Veranstaltern geben.

5. Seriöse Musikverlage erkennen

Auf der Suche nach einem passenden Musikverlag ist die Hauptregel ganz klar: Die Chemie muss stimmen! Dennoch gibt es ein paar Grundregeln, mit denen ihr erkennt, ob ein Verlag seriös ist. Zum einen sollte ein Vertrag mit einem Musikverlag für euch als Newcomer immer non-exklusiv sein, damit ihr als Künstler*innen eure Freiheit behaltet. Außerdem sollte der Verlag sich an den aktuellen Verteilungsplan der GEMA halten, der vorsieht, dass die Ausschüttungen zu zwei Dritteln an euch als Musiker*innen und zu einem Drittel an den Verlag gehen. Weitere Kosten (bis auf die GEMA-Mitgliedsgebühren) sollten für euch nicht entstehen. Vorsicht auch bei Verlagen, die hohe Vorschüsse anbieten. In der Regel wird von euch verlangt, die hohe Investition wieder einzuspielen, so dass ihr meist sehr langfristig und exklusiv an den Verlag gebunden seid. Aus abrechnungstaktischen Gründen ist es außerdem sinnvoll, sich einen inländischen Musikverlag zu suchen, da es im Ausland andere Verwertungsgesellschaften gibt, die die Ausschüttung langwieriger, komplizierter und intransparent machen. Schließlich sollte ein guter Musikverlag über den Horizont schauen und euch vielseitige Fördermöglichkeiten bieten.

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Text: Lina Burghausen / Mona-Lina

Fotos: Christoph Eisenmenger / Basslord Pictures