Späte Sechziger, Welt, Deutschland, DDR, Leipzig: Der damals siebzehnjährige Peter „Cäsar“ Gläsererlebt eine Initialzündung. Rockmusik begeistert Jugendliche in der DDR. Sehr schnell nachdem Gläser diese Musik gehört hatte, sollte er selber Musikgeschichte schreiben.
Und als Gitarist der legendären Klaus Renft Combo, wird er an unvergessenen Liedern wie „Wer die Rose ehrt“, „Unbequem woll'n wir sein“ oder „Gänselieschen“ beteiligt sein. Ein um's andere Mal wird die Gruppe die DDR-Autoritäten provozieren und verärgern. Die Fangemeinde wird wachsen, die Band immer größer und bekannter werden, sowie stets auf dem Kieker der Behörden stehen. Turbulente Jahre stehen bevor, bis die Combo 1975 durch eine staatliche Verordnung zur Auflösung gezwungen wird.
Mit 57 Jahren ist „Cäsar“ erstaunlich jung für jemanden, der seine Autobiographie schreibt. Gemeinsam mit Autor Gerhard Pötzsch legt der Musiker eine Biographie vor, die eine wichtige Sache erfüllt: Understatement. Es ist mehr als gut, sich seines Könnens bewusst zu sein, doch die Überhöhung der eigenen Person ist dabei oftmals fehl am Platze. „Cäsar“ meistert diese Gradwanderung. Auf eine jung gebliebene sympathische Art und ohne all zu viele Selbstbeweihräucherungen schildert er den Großteil seines Lebens: Kindheit, Jugend, Eltern, erste musikalische Prägung, Alkoholexzesse und mehrere Frauen Das klingt jetzt wie aus jeder x-beliebigen Musiker-Biographie. Doch weit gefehlt…
Als Siebzehnjähriger begegnete Gläser dem Rock'n’ Roll und der Person Klaus Jentzsch, mit dem er die Klaus Renft Combo gründen sollte und in der DDR großen Ruhm genießen sollte. Konformistisch erzogen, doch nach Berichten über die Studentenrevolte 68 im anderen Teil des Landes oder nach Erzählungen von Hippie-Festivals in San Francisco beginnt eine persönliche Wandelung. Die Sehnsucht nach Auflehnung gegenüber der DDR-Bürokratie nimmt immer mehr Form an. Die Musik der Klaus Renft Combo drückt diese vor allem in ihrem bekanntesten Lieb „Wer die Rose ehrt“ aus.
Das gleichnamige Buch liefert neben Biographischem auch tiefe Eindrücke in den Alltag von Musikern Deutschen Demokratischen Republik. So werden der bürokratische Kampf um Auftrittsgenehmigungen, Beschaffung von Instrumenten per harter Währung, Auftrittsverbote oder die legendäre Beat Demo in Leipzig erwähnt.
Verwunderlich erscheint dem Leser sicherlich, dass solch eine kritische Gruppe von der Stasi unterwandert werden konnte, . Ausgerechnet Gläser entpuppte sich später als IM. Seinen Aussagen zufolge unterwanderte Gläser die Beschattung, indem er belanglose Informationen weitergab. Hier gibt das Buch nicht gerade tiefe Einblicke. Positiv zu bewerten ist, dass Gläser seine Tätigkeit nicht lange hinter dem Berg hielt und dass er sich rückblickend kritisch dazu äußert, wenn auch sehr skizzenhaft.
Was das Buch durchaus klar macht, ist dass es sich bei Gläser um einen Musikbesessenen handelt, der immer nur spielen Wollte, sei es bei Renft, in der Folgegruppe Karussel oder mit Cäsar & die Spieler. Eine Rockgeschichte, die alle Höhen und Tiefen des betroffenen Musikers schildert, wenig – aber scheinbar auch Interessantes – hinter dem Berg zu lässt und die von einem ehrlichen Ton geprägt ist. Ein wichtiger Teil der DDR- Rockgeschichte, ein Muss für jeden Liebhaber der DDR-Rock- und Bluesszene!
Cäsar Peter Gläser/Gerhard Pötzsch „Wer die Rose ehrt. Die Autobiografie", Militzke Verlag, Leipzig 2007, 24,90 €
Autor: Holger Günther
Szenepunkt Redaktion Leipzig
Mit 57 Jahren ist „Cäsar“ erstaunlich jung für jemanden, der seine Autobiographie schreibt. Gemeinsam mit Autor Gerhard Pötzsch legt der Musiker eine Biographie vor, die eine wichtige Sache erfüllt: Understatement... - Lesenswert!
von: holg 23.6.2010