Von Krapfen und Fußball – Das local-heroes-Wochenende - Landesfinals Bayern und Hamburg – Teil 1 – Nürnberg Wenn man nach Nürnberg fährt, dann sieht man die deutschen Lande, und denkt: schön. Wirklich schön, hier, in Deutschland. Und dann kommt man nach Nürnberg und wird daran erinnert, dass Deutschland eben nicht nur das Land, sondern auch die Geschichte ist.
Das Reichsparteitagsgelände mit seiner riesigen, an das Colosseum in Rom erinnernden Kongresshalle. Die – ohnehin schon ziemlich groß – bei Kriegsbeginn und dem damit zusammenhängenden Baustopp, noch nicht mal seine ganze Höhe erreicht hat. Heute befindet sich ein Dokumentationszentrum im einen Teil des Gebäudes, die Nürnberger Philharmoniker im anderen. Auch der Rest des Geländes wurde entsprechend umgewidmet. Auf dem ehemaligen Zeppelinfeld befinden sich die Trainingsplätze des örtlichen Bundesligisten. Nebenan die alte Tribüne. Ebenso ein Zeichen des in Architektur ausgedrückten Größenwahns der Nazis, wie Denkmal des Untergangs des Regimes, als die Alliierten 1945 das Hakenkreuz sprengten. Doch die Stadt auf diese Vergangenheit zu Reduzieren wäre unfair. Die sehr hübsche historische Innenstadt - selbstredend ein Touristenmagnet. Die Menschen – freundlich und offen. Und die Kultur kommt nicht zu kurz. Mit öffentlichen Mitteln konnte vor wenigen Jahren das Musikzentrum (MUZ) eröffnen. Ein schöner kleiner Club, geleitet von Kulturaktivisten, die sich ihren Idealismus bewahrt haben. Und ein Club mit einer liebevoll gestalteten Toilette… Hier fand also – über zwei Tage verteilt – das local-heroes-Landesfinale für Bayern statt. Je vier Bands traten am Freitag und am Sonnabend gegeneinander an. Freitag waren das Waste, Highjack Sisters, Top Trash Pot und Beat Frog. Nach kulinarisch hochwertigem, lokal typischem, Catering (Semmelknödel und Weizenbier), begannen Waste pünktlich mit ihrem 40-minütigen Auftritt. So lange hatten alle Bands Zeit um die Jury zu überzeugen. Waste lieferten mit viel Spielfreude und wenig Aufregung vorgetragenen Rock mit Funkeinflüssen. Ihr Sänger und Pianist hatte mit seiner Art das Publikum schnell auf seiner Seite. Die Herren legten gut vor. Die Highjack Sisters setzten mit, man könnte es Old-School-Metal nennen, fort. Sie lieferten den Sound, der kurz nach der fruchtbaren Hardrock-Welle der 70er kam. Kraftvoll und abgeklärt klang das. Auch wenn das Auditorium nicht grade auf Seiten der fünf Herren stand, so konnten sie doch eine gute Visitenkarte hinterlassen. Stilistisch in eine andere Richtung ging es mit Top Trash Pot. Sie klangen sehr englisch, Referenzen an die Arctic Monkeys waren zu erkennen. Gut durchdacht, sehr entwickelt und handwerklich top war das, was die Herren da boten. Ein mitreißender Auftritt. Die Qualität des Abends nahm mit der letzten Teilnehmerband des Tages keineswegs ab. Beat Frog spielten Songs die stilistisch irgendwo zwischen Rock und Punk lagen, ohne das eine oder andere wirklich zu sein. Obwohl sehr jung, versprühte das Trio eine gewisse Reife. Mal schnell und rotzig, mal langsam und mit Gefühl, auch diese Combo zeigte, warum sie zu Recht im Landesfinale standen. Als besonderen Bonus gab es für alle Bands kostenlos einen mehrspurigen Live-Mitschnitt ihres Auftritts aus dem hauseigenen Studio. Fast erst zur Verabschiedung stellte sich nebenbei heraus, dass Organisator Steffen, a.k.a. Todor, nichts weniger, als Sänger und Gitarrist der großartigen Band The Great Bertholinis ist… Am nächsten Morgen noch schnell zum Bäcker und ein Pfannkuchen (´´Wie bitte?´´), äh, (auweia:) Berliner (´´Was? Einen Krapfen? Ah!´´), äh, Krapfen bestellt, und ab zum Zug in Richtung Hamburg. Dort sollte am Samstagabend das Landesfinale der Hansestadt seinen Lauf nehmen. |