Elefanten siegen in Kiel - local-heroes-Landesfinale von Schleswig-Holstein Wichtigste Erkentnisse des Wochenendes: 1. In Kiel sind die Autofahrer ungeduldiger; 2. die Menschen abgehärteter; 3. die Dichte an Banken ("und Sparkassen") übertrifft sogar die Dichte an Buchläden und; 4. Schiffe erzeugen immer ein gewisses Fernweh.
Und gute Musik gibt es in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins auch. So gesehen am Freitag, 11.September (dem Jahrestag des Sieges von Cottbus gegen Hannover in Hannover im Jahre 2002). Beim local-heroes-Landesfinale errang nämlich die Band Elephant Party den Sieg. Zu Recht.
Nordisch kühl und windig empfing die Stadt seine Besucher. Im ´´Orange Club´´ der vielseitig genutzten (ein großer und ein kleiner Veranstaltungsraum, Kino, Restaurant) Location ´´Traum GmbH´´ allerdings wurde es, besucherbedingt,schnell warm.
Die erste Band des Abends hatte glücklicherweise diese Position, denn am Ende war der geneigte Musikfreund froh über das Ende des Auftritts. Die kurzfristige Umbenennung der Band Zerreisprobe in ´´Zersaufprobe´´ machte die Richtung von Anfnag an klar. Die Herren betraten recht angeheitert die Bühne, scherten sich weder um Spielzeit oder Ordnung des Auftritts, noch um den eigenen Ruf. Über das Tragen eines umgedrehten Tangas soll an dieser Stelle geschwiegen werden. Alles vorsätzlich natürlich, denn mit Ende des Aufritts wurde auch das Ende der Band verkündet. Mit Fug und Recht durfte schon am Anfang des Abends (auch von der Band selbst) verkündet werden: ´´Einer muss ja Letzter werden´´
Es folgten die Herren von Cadillac Steel. Der deutsche Pop-Rock konnte jedoch nicht überzeugen, zu gewöhnlich die Arrangements. Die sympathischen Jungs hatten sicher schon bessere Auftritte als diesen. Ein Podiumsplatz war damit nicht zu holen.
Bei Small Heap Misery sah die Sache schon anders aus. Gut durchdachter Metal, abwechselungsreiche Songs, leidenschaftlich aufgeführt und stilistisch nicht festgefahren. Das Publikum hatte seinen Spaß und auch die Hörer, die diesen Stil nicht zu ihren Favoriten zählen, wackelten anerkennend mit dem Kopf.
Gänzlich anders ging es nun weiter. Mit Elephant Party wurde es ebenso abwechselungsreich, jedoch stilistisch ein einer gänzlich anderen Ecke. Irgendwo zwischen Reggae, Funk, Karibik und Ska fühlen sie die Elefanten wohl. Und das sah man ihnen an. Ein mitreißender Auftritt lud zum Tanzen ein. Der Heimspielfaktor machte sich ebenfalls bemerkbar. Stefan, der Veranstalter verkündete ´´Ausverkauft´´, wobei die Mehrzahl der 400 Besucher sich schwitzend vor der Bühne bewegte. Nach 20 Minuten und einem starken Konzert entließ das Publikum die Musiker frenetisch feiernd von der Bühne.
Mit Delivery betrat anschließend die jüngste Band des Abends in der Folge die Bühne. Und hinterließ einen sehr guten Eindruck. Die Band zeigte in ihrem Indie-Rock-Stil viele gute Ideen und Ehrlichkeit. Eine Menge Potential steckt in der Band, das erkannte auch die Jury und verlieh dem Trio den Förderpreis.
Die im Vorfeld als Mitfavoriten um den Gesamtsieg gehandelten 4 Pilots an Spohie konnten als sechste Wertungsband des Abends ihrem Ruf nicht gerecht werden. Ein wenig aufgesetzt wirkte das Ganze. Das vielzitierte ´´gewisse Etwas´´ fehlte zu einem mitreißenden Auftritt.
Den Abschluß machten mit einem ´´fetten´´ Gig, wie man sagt, die vier Musiker von Leet. Straighten Crossover, mit voller Kraft dem Publikum entgegengerockt und handwerklich sauber vorgetragen gab es auf die Ohren. Wie der Bassist unter seiner Maske überhaupt genügend Luft bekommt, um so durchzuziehen, fragte man sich. Wie auch immer die Antwort lautete: er tat es einfach. Ein starker Auftritt, der allerdings nicht ganz zum Sieg reichte.
Denn den heimsten sich Elephant Party ein. Während der Abstimmung des Publikums, das sich am Ende mit der Jury übereinstimmend zeigte, spielten derweil die Vorjahressieger Männerurlaub. Seit Monaten hängen die Jungs im Studio, feilen am neuen Album, da war der Auftritt eine willkommene Abwechselung. Ein guter Auftritt konnte verbucht werden. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Sieger war man im Vorjahr schließlich nicht umsonst.
Nach der unterhaltsam spannend gemachten Siegerehrung (´´Publikumssieger: Elephant Party. Bitte auf die Bühne.´´ ´´Glückwunsch. So, nun aber wieder runter von der Bühne, jetzt kommt der Gesamtsieger.´´ ´´Und der Sieger, und somit local heroes von Schleswig-Holstein im Jahre 2009, heißt Elephant Party´´) entließ der Club die Leute wieder in die nordische Nacht. Kalt, der Wind bließ, dass man sich eine Wintermütze wünschte und die Statusmeldung von Freunden aus Berlin (´´Ich laufe im T-Shirt umher. Bei uns ist warm.´´) machte die Sache nicht besser.
Und da der Sonnabend grade erst angebrochen war, konnte die zweite Hälfte des Sonnabends von Nicht-Kielern (gekleidet in warmen Jacken, während die Kieler in T-shirt durch die Straßen flainerten) zum Sightseeing, wichtige Erkentnisse sammlen (siehe oben) und zum sehnsüchtig den Fähren hinterhergucken genutzt werden. Das war also Kiel.
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