Experimentelle Sounds im niedersächsischen Spätsommer - Landesfinale in Hannover Was 2009 für die Politik, nämlich das Super-Wahljahr, ist der 26. September für local heroes: Der Super-Landesfinal-Samstag. Im Saarland, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurden die besten Nachwuchsbands der Bundesländer gesucht.
In Hannover herrschte Sommerwetter. Und ebenso war die Stimmung um das Musikzentrum, in dem die LAG Rock seit Jahr und Tag auf höchstem Niveau ihr Finale veranstaltet. Da sich die Bands zum Teil schon aus den Landes-Semifinals kannten herrschte eine gelöste und entspannte Atmosphäre.
Und obwohl sie schon 19 Uhr auf die Bühne mussten, hatten Heatstroke einen fast vollen Saal vor sich. Sie spielten schlicht Rockmusik. Einflüsse von den Red Hot Chili Peppers und Jimi Hendrix waren offenkundig. Was nicht nur daran lag, dass der Gitarrist gekonnt mit diesem Klischee spielte – von der obligatorischen Afro-Frisur mit Haarband bis zu extrovertierten Soli. Auch wenn das natürlich nicht annähernd an den Gott der Gitarre herankam, so konnte die junge Band mit ihrem Auftritt doch punkten.
Den Staffelstab erhielten nun die Mannen von Midas Inc. aus Göttingen. Die Studenten spielten sehr organisierten deutschen Rock. Mit viel Power und durchdachten Arrangements setzten sie die Messlatte für die nächsten Bands sehr hoch an.
WhatEver, eine ebenfalls sehr junge Band, präsentierte College-Punk vom Schlage Blink 182s. Die Stimme des erst 17-jährigen Sängers passte nicht so ganz, was aber mit der körperlichen Entwicklung des Musikers zu erklären ist. Doch fraglos muss man ihnen ein Potenzial attestieren.
Als dritte Band im Bunde waren nun Samsleeps auf der Bühne. Auch sie konnten das Publikum mit ihrem, man könnte es Auf-die -Fresse-Rock nennen, bei Laune halten. Die fünf Herren hielten das Niveau des Abends weiter hoch.
Erfrischend anders klangen die Frames. Frikelige Arrangements, soundliche Experimente, Einflüsse zwischen Tool und Pink Floyd, auf Gesang verzichtend und grundsätzlich Ehrlich – so das unzureichend erklärende Fazit des Auftritts. Nichts wirkte aufgesetzt, weder der Bounce auf die Tastatur des Keyboards, noch das nach und nach passierende Ablegen der Instrumente der Musiker und anschließende Platznehmen auf der Bühne während des Outros. Musik mit Herz. Das spürte man und erfreute sich schlicht an den vielseitigen Songs. Zu Recht gingen die vier Herren am Ende des Abends als Sieger vom Platz und treten eher die Nachfolge Odevilles an, als die von The High Pressure System.
Doch auch nach dem starken Konzert der Frames vermochte man nicht zu sagen, dass nun nichts mehr kommen könne. Denn Love many Feet spielten mitreißenden funkigen Soul. Die Bläser trugen ihren Teil zum stimmigen Gesamtbild ebenso bei, wie die Bühnenperformance der Truppe und die gewinnende Art der Sängerin.
Und auch Cryptex hielten das gute Niveau des Abends weiter hoch. Songs die im Rock verwurzelt sind und auch den Metal durchgucken lassen wurden von dem Trio präsentiert. Eine gute Show in interessanten Kostümen – für ein Fotoshooting am Vortag von den Filmstudios Babelsberg geliehen – runde den Auftritt der letzten Wertungsband ab.
Die Zeit zwischen Stimmauszählung und Siegerehrung wurde vom Vorjahressieger The High Pressure System versüst, bevor es am Ende hieß: „Und die beste Nachwuchsband des Landes Niedersachsen, und damit unserer local heroes sind: Frames“. Sichtlich überrascht waren die Herren. Und es dauerte auch noch einige Zeit, bis ihnen wirklich klar wurde, dass sie Niedersachsen nun in Berlin vertreten werden.
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